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Thema: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

  1. #76
    Benutzer Vegetarier und Veganer Vegetarierforum.com ist ein Treffpunkt für Vegetarier und Veganer.
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    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Zitat Zitat von Pauli Beitrag anzeigen
    Wenn es die RAF noch gäbe,dann hätten die richtig viel zu tun.
    Wie ist das gemeint?

  2. #77
    Pauli
    Gast

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    genau so wie es dasteht - ohne Wertung

  3. #78

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Ein paar kritische Worte zum von Rippy verlinkten Spiegelartikel:

    Der Artikelinhalt ist geprägt von der Nationalstaatlichkeitslogik des Autors, welche beinhaltet, dass der Staat seine homogene Gesellschaft schafft und sie gegenüber anderen abgrenzt. Demnach spricht er in völkischem Vokabular von einer für sich geschlossene Menschengruppe="Volk", welches "aufgemischt" werden müsse, um sie nachfolgend zu integrieren. Die Logik beinhaltet auch kapitalistische Standortkonkurrenz. Schließlich müssse 'Deutschland' "global konkurrieren [...] können". Fraglich bleibt dieses Konzept neben seiner kulturalistisch rassistischen Tendenzen schon deshalb, da die auf der Wachstumslogik basierende "Einwanderungspolitik" zu überpopulations-/kapitalistisch bedingter Umweltzerstörung führt.
    Die Einseitigkeit des Artikels wird einmal mehr durch die Ausblendung von berechtigten Bedürfnissen der zuwandernden und flüchtenden Menschen deutlich, die ein Leben frei von Armut und Verfolgung wollen.

    Angesichts der "Einwanderungspolitik" und 'Integrationspolitik' könnte mensch die Phrase 'Deutschland', ein "Land der Dichter, Denker und Maschinenbauer" durch den Zusatz 'und Xenophoben' ergänzen.
    Geändert von Fridom (31.08.2010 um 13:27 Uhr)
    Cut out the crap. GO VEG(etari)AN! Because the animals don't need your excuses.

  4. #79
    Pauli
    Gast

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Ja Fridom, da hast Du nicht ganz unrecht.

    Das Vokabular Überbevölkerung ist aber auch nicht ganz frei von einer bestimmten Konotation. ;)

  5. #80

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Sicher, es steckt in jenem Wort "Volk", welches ich im Beitrag umging (Population). Zum Anderen bleibt doch die Frage, wieviele Menschen bei welchem Lebensstandard mit den anderen Lebewesen auf der Erde zusammenleben können (nicht sollen!). Jemanden aber ihre/seine Selbstbestimmung absprechen zu wollen, ist jedoch nicht meine Absicht.
    Oder wolltest Du auf etwas anderes hinaus?
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  6. #81
    Pauli
    Gast

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    ja wollte ich, aber dass kriegst Du alleine heraus als politisch, emanzipatorisch Aufgeklärter.

  7. #82

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Danke für die Blumen. ;)
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  8. #83

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    @ Atreya:
    Daß Misik zum Schluss noch mal auf den Mann spielt und sagt, daß da auch sehr viel Unfairness auf Seiten Sarrazins ist, finde ich ganz gut.
    Aber mit dem Rest kann ich nicht all zuviel anfangen; allein schon die Überschrift: "Die Freude andere Menschen...."
    Sehr freudig wirkt Herr Sarrazin ja nicht gerade. Ich habe überhaupt eher den Eindruck, daß der anti-islamische Diskurs angstgesteuert ist. Und Angst ist natürlich kein guter Ratgeber, wie man weiß.
    http://tristero.net/

  9. #84

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    @Fridom:

    Wenn ich dich richtig verstehe, dann ist der Begriff "Integration" sehr problematisch, da eine Körperlichkeit oder Geschlossenheit, eine Integrität halt, votraussetzt, die es so noch nie gegeben hat.
    "Integration" würde demnach immer auf Exklusion beruhen.
    http://tristero.net/

  10. #85

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    KingBong, ich glaube, wir meinen das Gleiche, zumindest schließt sich das Gemeinte nicht aus. Der Verständlichkeit halber aus meiner Sicht...
    Folgende Grafik zeigt modellhaft recht gut, welche unterschiedliche sozialen Strukturen (auch wenn sie im Quellenkontext auf Schulsysteme abzielt) möglich sind. Das Konzept Integration geht davon aus, dass es zwei verschiedene soziale Gruppen gäbe: eine "Basisgruppe" (mir fällt gerade kein besserer Begriff ein), in die eine andere integriert werden soll. Fortwährend wird in dieser neuen Gesamtgruppe jedoch von zwei Gruppen gesprochen: die "Basisgruppe" und die Zuintegrierenden. Gegensätze werde so nicht aufgelöst, sondern bleiben weiter bestehen, wie z.B. in I(ntegrations)-Kindergärten: "Behinderte" und "Normale". Darauf wolltest Du hinaus, oder?

    Ich mein(t)e zunächst einmal, dass der Staat Staatsbürger_innen heranzieht, die seine vordefinierten Rechten und Pflichten zu akzeptieren haben. Gemeinsame Identität wird u.a. durch das Konstrukt "Nation" erzeugt. Hier greift dann auch das Konzept Integration, welche die gemäß vorgefertigter Vorstellung der Nation angehören und welche die zu integrieren seien. (An dieser Stelle sei angemerkt, dass das völkische Konzept weiterhin durch die BRD vertreten wird: Deutsche_r Staatsbürger_in wird mensch nämlich u.a. durch Abstammung.) Der Staat erstreckt sich über ein bestimmtes Gebiet und unterwirft die dort Lebenden seiner Gewalt(-monopol). Jedoch haben nur die Staatsbürger_innen die von ihm gewährten Rechte, die von Nichtstaatsbürger_innen sind eingeschränkt. Zur Farce wird das Ganze, wenn mensch einbezieht, dass der Staat keine existenzielle ökonomische Gleichheit garantiert, sondern vielmehr das Gegenteil - Ungleichheit - zementiert und durchsetzt. So z.B. das Verbot auf Parkbänke zu nächtigen nicht nur Millionäre sondern gleichermaßen für Obdachlose gilt. Dies wollte ich auch in meinem ersten Beitrag anschneiden:
    Es ist doch nichts als rassistische Propaganda für den Erhalt der "Nation", Zwang zur Assimilation (von was?), Integration (wo hinein?) ...
    Neben der Ausgrenzung innerhalb der Grenzen, richtet sie sich auch nach außen und fördert so Nationalismus.

    Uff, da packte mich die Schreibleidenschaft - nicht die des/der (Be)Lehrer_in.



    An die Mods: [SIZE="1"]Wie füge ich obige Grafik ein? Unbeschränktes Nutzungsrecht ist laut Quelle gewährt. Der CODE-Befehl scheint nicht zu funktionieren. Ich fände es klasse, wenn diese hier für die Leser_innen sichtbar wäre. Hier noch mal der Link: http://de.wikipedia.org/w/index.php?...20081225093528
    Geändert (Kadek): Grafik eingefügt.

    Hei Kadek, dass ging ja schnell. Verdammt groß allerdings, aber egal. Danke!
    Geändert von Fridom (01.09.2010 um 01:43 Uhr)
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  11. #86

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Die Frage ist aber doch auch, was ist an der geforderten "Integration" gut und was schlecht.
    Ich seh es so: Ein kapitalistischer Staat hat andere Vorstellungen von der Gesellschaft als ich, dementsprechend andere Forderungen. Wie möchte der Staat die Migranten haben: Wohl so wie jeden "Bürger": Zur Arbeit gehen, Steuern zahlen, die passende Anzahl Kinder bekommen und großziehen und zwar auch wieder mit dem passendem Bildungsabschluss (je nachdem wie viele Abiturienten und wie viele Hauptschulabsolventen die Wirtschaft gerade braucht).
    Dann soll man natürlich schön konsumieren, das hält die Wirtschaft am Laufen, am besten das übliche, wobei Veggies durchaus beliebter werden dürfen, angesichts von REssourcenknappheit und Klimakatastrophe.
    Frust kann pöbelnderweise auf den Rängen eines Fußballstadions abgelassen werden oder im Boxverein, aber nicht auf der Straße. da hätten wir doch den Idealbürger.
    Zu gut angepast ist aber widerum auch nicht gut, denn ein paar Spannungen zwischen Deutschen und "Ausländern" sollten schon bleiben, da profitiert der Kapitalismus ja schließlich von. Wenn alle Arbeitnehmer united sind, kommen die am Ende noch auf dumme Gedanken.
    Eine industrielle Reservearmee wird auch benötigt (wonei das "industrielle" nicht mehr zeitgemäß ist), die wird angesichts der demographischen Entwicklung ja auch nur durch Einwanderung zu bekommen sein.
    Also im Endeffekt kann "dem Kapital" *hüstel* an einer kompletten "Integration" doch nicht gelegen sein, der Ausländer muss "anders" bleiben - Kopftücher tragen, nach Knoblauch stinken, Sonntag Morgens auf dem Minarett jodeln und damit Bernd und Heinz verärgern, die so aus dem Katerschlaf gerissen werden.


    Trotzdem haben sich hier auch gewisse Werte durchgesetzt (zumindest teilweise in den Köpfen und zumindest gesetzlich weitestgehend verankert), hinter denen ich stehe, auch wenn ich nicht hinter dem kapitalist. System stehe: z.B. Gleichberechtigung von Mann und Frau, Gleichberechtigung von Homosexuellen etc.
    Und wenn die Anerkennung solcher Werte gefordert wird, stehe ich da hinter.
    und wenn bei einigen religiöse oder kulturelle Ansichten dem im Wege stehen, dann habe ich dafür kein Verständnis und will darauf keine Rücksicht nehmen, denn Menschenrechte gehen vor.
    Und bei einigen stehen da religiöse Ansichten im Wege, eben auch gerade bei einigen Moslems.
    Das muss nicht an der Religion an sich liegen (das Alte Testament ist schwulenfeindlicher als der Koran, wenn ich mich recht entsinne) , sondern halt daran wie ernst man uralte Schriften nimmt.
    Hier zB eine Statistik:
    http://www.romeoliebtjulian.com/rlj/magazin-1782.html
    Und die ist noch relativ moderat, da hab ich auch schon deutlich schlimmere Zahlen gehört.
    Wird teilweise auch wieder ein "Unterschichtending" sein, aber kultur./relig. Mentalität spielt sicher auch mit rein.

    Mein Text ist jetzt bissel wirr, aber ich hab keine Zeit ihn zu ordnen, ich hoffe es kommt trotzdem was rüber;-)

  12. #87

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Ich würde ja gern das Buch mal lesen, um mir ein richtiges und zusammenhängendes Bild machen zu können. Allerdings kommt mir das was bisher daraus zitiert wurde ganz schön populistisch vor und ich möchte nicht, das Herr Sarazzin insofern an mir verdient. Mittlerweile sollen ja rund 50.000 Exemplare abgesetzt worden sein.
    Einmal Onkelz - immer Onkelz!!

  13. #88

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Zitat Zitat von Rippy Beitrag anzeigen
    Frust kann pöbelnderweise auf den Rängen eines Fußballstadions abgelassen werden oder im Boxverein, aber nicht auf der Straße. da hätten wir doch den Idealbürger.
    Brot und Spiele und wir sind der Lieben viele.

    Zitat Zitat von Rippy Beitrag anzeigen
    Zu gut angepast ist aber widerum auch nicht gut, denn ein paar Spannungen zwischen Deutschen und "Ausländern" sollten schon bleiben, da profitiert der Kapitalismus ja schließlich von. Wenn alle Arbeitnehmer united sind, kommen die am Ende noch auf dumme Gedanken.
    Das ist wohl war - die könnten ja eine Revolution starten....

    Zitat Zitat von Rippy Beitrag anzeigen
    Trotzdem haben sich hier auch gewisse Werte durchgesetzt (zumindest teilweise in den Köpfen und zumindest gesetzlich weitestgehend verankert), hinter denen ich stehe, auch wenn ich nicht hinter dem kapitalist. System stehe: z.B. Gleichberechtigung von Mann und Frau, Gleichberechtigung von Homosexuellen etc. Und wenn die Anerkennung solcher Werte gefordert wird, stehe ich da hinter.
    Meine Zustimmung.
    Einmal Onkelz - immer Onkelz!!

  14. #89

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Jo, Rippy, es kommt rüber. Ich kann Dir inhaltich Deinem ersten Absatz beipflichten. Im zweiten jedoch wäre ich allerdings bei der Deutung deines verlinkten Artikel vorsichtig. Es steckt doch immer ein bestimmtes Ansinnen dahinter, Eigenschaften (Migration, kultureller Hintergrund, "Abstammung"(!), Glaube) von Homophoben hervorzuheben, was rassistische Tendenzen hat. Denn wie Du schon schriebst:
    Zitat Zitat von Rippy
    Das muss nicht an der Religion an sich liegen (das Alte Testament ist schwulenfeindlicher als der Koran, wenn ich mich recht entsinne) , sondern halt daran wie ernst man uralte Schriften nimmt.
    Cut out the crap. GO VEG(etari)AN! Because the animals don't need your excuses.

  15. #90

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Wenn man da rassistische Tendenzen unterstellt, kann man ja niemals Ursachenforschung betreiben. Irgendwo muss man ja aufschlüsseln. Ich würd es aber auch sinnvoller finden, in dem Falle nach Religionszugehörigkeit zu unterteilen als nach nationalstaatlicher Herkunft

  16. #91

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    In N-TV kam gestern eine interessante Talkshow mit Necla Kelek, die ja auch das Buch von Sarrazin vorgestellt hat:

    N-TV, Das Duell, 31.08.2010



    Und dann habe ich noch ein Video mit einem einsamen Sarrazin Befürworter gefunden:
    http://www.youtube.com/watch?v=S7PGwFVlLI0





    Edit:
    Hier die Videos zur Buchvorstellung:
    http://www.youtube.com/watch?v=MElBnq5fFy0

    Oder besser hier, weil nur 2 Teile:

    Teil 1

    Teil 2
    Geändert von Michael (01.09.2010 um 16:31 Uhr)

    http://youtube.com/watch?v=vMLJi9efcFs
    http://youtube.com/watch?v=Ud1cyJE5EPc
    http://youtube.com/watch?v=FOGG_osOoVg

  17. #92

  18. #93

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Schon bezeichnend, über welche lange Zeit hin, das Thema bedient wird und die Medien Sarrazin ernsthaft noch als "Diskussionspartner" sehen. Dies sagt auch einiges über das Verständnis von Diskussionskultur, Meinungsfreiheit und die Medien selbst aus.
    Auf der anderen Seite ist es leider der alltägliche Wahnsinn, mit dem kapitalistisch bedingt nach Quote und Konsument_innen gehechelt wird. Für Ethik, Menschenrechte etc. ist da wenig Platz...

    Dennoch - das, was er bisher selbst geäußert hat, sollte doch reichen ihn als Rassisten zu entlarven und ihn ins Abseits zu drängen! Keinen Raum für Rassismus!
    Geändert von Fridom (01.09.2010 um 17:16 Uhr)
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  19. #94

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    @Fridom:

    was ich meinte war, daß der Begriff "Integration" immer unterstellt, daß sich die zu integrierenden noch in einem Außen befinden und in ein Innen geführt werden müssten.
    Und dieses Innen existiert eigentlich nicht, umso weniger heutzutage, wo die Lebensmilieus immer mehr auseinander driften. Ein Veganer in Duisburg hat mehr gemeinsam mit einem Veganer in Moskau oder Kairo, als mit einem fleischessenden Fußballprollo in Dortmund, wenn man mal etwas vermessen sein darf.
    http://tristero.net/

  20. #95

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Trotzdem glaube ich, daß Sarrazin auch mit einigen Punkten Recht hat, z.B. Fachkräftemangel, das ist doch schon ein Thema seit "Kinder statt Inder", und wenn man sich vorstellt welche Herausforderungen in den nächsten Jahren auf uns zukommen, schön allein was die Energie- und Klimaproblematik betrifft, da kann man sich schon Sorgen machen.
    http://tristero.net/

  21. #96

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    In Bezug auf unübersichtliche Gebilde wie den Staat hast Du sicher recht. Weswegen ja immer gerne von den Staate und seinen Anhänger_innen die "Nation" bemüht wird, um diese Kluft zu überwinden und eine Pseudogemeinschaftlichkeit zu schaffen. Usprung der von Dir angesprochenen Vereinzelung lässt sich wohl auch auf u.a. den Kapitalismus und die mit ihm verknüpfte nebst durch Technologieweiterentwicklung fortschreitende Arbeitsteilung, Vernetzung, Flexibilisierung ... der Arbeitswelt zurückführen.

    Zitat Zitat von KingBong
    Trotzdem glaube ich, daß Sarrazin auch mit einigen Punkten Recht hat, z.B. Fachkräftemangel, das ist doch schon ein Thema seit "Kinder statt Inder" ...
    Was auch zumindestens eine fremdenfeindliche Hetzkampagne seitens der NRW-CDU um Rüttgers war. Mit dieser Aussage bläst Du übrigens in das gleiche Horn der Kapitalismus_anhänger_innen: Es gäbe einen Fachkräftemangel, "Deutschland" müsse global konkurrenzfähig sein, andere Länder also in Grund und Boden konkurrieren ("schließlich wolle mensch den Wohlstand hier doch erhalten"), was letztlich zu verstärkter Ausbeutung der Arbeiter_innen führt (u.a. Lohnsenkungen)... Klasse!

    Zitat Zitat von KingBong
    und wenn man sich vorstellt welche Herausforderungen in den nächsten Jahren auf uns zukommen, schön allein was die Energie- und Klimaproblematik betrifft, da kann man sich schon Sorgen machen.
    Sorgen finde ich auch berechtigt. Allerdings frage ich mich, wo Du den Zusammenhang zu den Hetzkampagnen siehst?

    Zitat Zitat von KingBong
    Ein Veganer in Duisburg hat mehr gemeinsam mit einem Veganer in Moskau oder Kairo, als mit einem fleischessenden Fußballprollo in Dortmund, wenn man mal etwas vermessen sein darf.
    Ich frage mich wieso Du quasi fragst, ob Du so vermessen sein darfst, Fussballfans auch wenn sie fleischfressend sein mögen, so abzuwerten... dahinter steckt doch elitäre Denke (wenn ich es richtig interpretiere).
    Geändert von Fridom (01.09.2010 um 18:50 Uhr)
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  22. #97

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Zitat Zitat von Fridom Beitrag anzeigen
    In Bezug auf unübersichtliche Gebilde wie den Staat hast Du sicher recht. Weswegen ja immer gerne von den Staate und seinen Anhänger_innen die "Nation" bemüht wird, um diese Kluft zu überwinden und eine Pseudogemeinschaftlichkeit zu schaffen. Usprung der von Dir angesprochenen Vereinzelung lässt sich wohl auch auf u.a. den Kapitalismus und die mit ihm verknüpfte nebst durch Technologieweiterentwicklung fortschreitende Arbeitsteilung, Vernetzung, Flexibilisierung ... der Arbeitswelt zurückführen.
    Das Prinzip "Nation" ist nicht durch und durch schlecht, es war doch sicher einmal ein Fortschritt gegenüber dem was vorher war... Man sieht, daß die Großverbände im Laufe der Geschichte immer größer wurden: erst die Sippe dann der Stamm, dann Stadtstaaten und Fürstentümer und dann die Nation, die ja mittlerweile auch wieder ein Auslaufmodell zu sein scheint, mit transnationalen Organisationen wie EU und UN und so.
    Und fortschreitende Spezialisierung ist das nicht ein Garnt für Wohlstand?

    Was auch zumindestens eine fremdenfeindliche Hetzkampagne seitens der NRW-CDU um Rüttgers war. Mit dieser Aussage bläst Du übrigens in das gleiche Horn der Kapitalismus_anhänger_innen: Es gäbe einen Fachkräftemangel, "Deutschland" müsse global konkurrenzfähig sein, andere Länder also in Grund und Boden konkurrieren ("schließlich wolle mensch den Wohlstand hier doch erhalten"), was letztlich zu verstärkter Ausbeutung der Arbeiter_innen führt (u.a. Lohnsenkungen)... Klasse!
    Sorgen finde ich auch berechtigt. Allerdings frage ich mich, wo Du den Zusammenhang zu den Hetzkampagnen siehst?
    Es ging mir eher um die globalen Herausforderungen nicht um die globale Standort-Konkurrenz.
    Um den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien zu schaffen, werden wahrscheinlich ganze Legionen von Ingenieuren benötigt, wie soll man das denn sonst technologisch hinbekommen?
    Ich unterstelle hier, daß ein gutes Leben ein Hochenergie-Leben ist: ich hätte keinen Bock jeden Morgen 8 km zu latschen, um genug Brennholz für ne Tasse Tee zu sammeln.
    Es ist auch Aufgabe der Politik erstmal den eigenen Nachwuchs fit zu machen, bevor man Fachkräfte aus ärmeren Ländern rekrutiert, wo diese ja genau so nötig gebraucht werden.

    Ich frage mich wieso Du quasi fragst, ob Du so vermessen sein darfst, Fussballfans auch wenn sie fleischfressend sein mögen, so abzuwerten... dahinter steckt doch elitäre Denke (wenn ich es richtig interpretiere).
    Hey mann...ich kenn Leute, die Fußballfans kennen, ich kenne sogar Leute, die Menschen mit Migratilisationshintergrund kennen
    Ich wollte andeuten, daß die Bruchlinien innerhalb von (Nationen-)Gesellschaften oft deutlicher sind als zwischen menschen in verschiedenen Gesellschaften.
    Ein Gedanke, den ich von dem Schriftsteller und Weltbürger Ilija Trojanow aufgeschnappt habe.
    http://tristero.net/

  23. #98

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    An Rippy: Ich habe es wohl zu verabsolutierend formuliert. Zweifelsfall muss analysiert werden können, welche Werte Ideologien beinhalten. Jedoch ist der Glaube immer ein persönlicher, weswegen es höchstproblematisch ist, daraus verallgemeinenernde Schlüsse zu ziehen. Und die Gefahr der Rassifizierung und Instrumentalisierung schwebt somit im Raume. Gerade wenn von einer mehrheitlich christlich geprägten Menschengruppe, womöglich mit fehlendem Blick für eigene Missstände, andere Menschen zu Gruppen konstruiert und beurteilt werden.
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  24. #99

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Zitat Zitat von KingBong
    Das Prinzip "Nation" ist nicht durch und durch schlecht, es war doch sicher einmal ein Fortschritt gegenüber dem was vorher war...
    Ich sehe im Sinne der Gleichheit die "Nation" tatsächlich nicht als fortschrittlich an. Denn letztlich haben die Bourgoise, welche die Begründer der "Nation" sind, den Feudalismus in eine bürgerlich kapitalistische Herrschaft über die Arbeiter_innen transformiert. Klevererweise wird es als "Demokratie" vermittelt. Diejenigen, die die produktive Arbeit leisten, also letztendlich für die Versorgung mit Gütern und Bedürfnissicherung sorgen, werden immer noch ausgebeutet und ökonomisch entrechtet. Das Eigentum an Produktionsmitteln/Dienstleistungsbetrieben, was ja die wirtschaftliche Basis ist, liegt ja nun mal in den Händen der Kapitalis_innen. Und damit das auch so bleibt gibt es den Staat, der dafür sorgt, dass die Eigentums- und Vertragsrechte geschützt und durchgesetzt werden, mittels Gewaltmonopol. Das Konstrukt "Nation" wirkt dabei als "Kitt", der den Zusammenhalt der Staatsbürger_innen nach innen und außen garantieren und Vertrauen in das System schaffen soll. Unter "Nation" fallen alle der von der herrschenden Klasse als wichtig erachteten systemerhaltenden Werte, welche normativ von Geburt an den Staatsbürger_innen eingetrichtert wird u.a. durch staatliche "Bildungs"institutionen, Medien...
    Die "Nation" ist letztlich ein Herrschaftsmittel. Ich kann in Herrschaft nichts positives entdecken.

    Zitat Zitat von KingBong
    Man sieht, daß die Großverbände im Laufe der Geschichte immer größer wurden: erst die Sippe dann der Stamm, dann Stadtstaaten und Fürstentümer und dann die Nation, die ja mittlerweile auch wieder ein Auslaufmodell zu sein scheint, mit transnationalen Organisationen wie EU und UN und so.
    Es wird sicher bald durch ähnliches Konstrukt ersetzt werden: "Europanation" oder so ähnlich... wenn die Menschen dies nicht alsbald durchschauen. Erste Versuche der europäischen Einheit samt Identitätsstiftung und Abgrenzung (Siehe Auseinandersetzung mit Türkeiaufnahme) sind ja schon zu beobachten.
    Mh, erwähnte ich schon auf u.a. Nationalismus zurückzuführende "Phänomene" wie (Welt)Kriege, Genozide?

    Zitat Zitat von KingBong
    Und fortschreitende Spezialisierung ist das nicht ein Garnt für Wohlstand?
    Sicher hat sie seine Vorteile. Zu welchem Preis allerdings? U.a. dem der Entfremdung der/des Arbeiter_in von seinem Produkt/Dienstleistung, z.B. dadurch das sie/er nur einen Teil leistet. Ein Effekt ist, dass die Arbeit als sinnlos und langweilig empfunden wird. Was wiederum die Menschen psychisch belastet.

    Zitat Zitat von KingBong
    Um den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien zu schaffen, werden wahrscheinlich ganze Legionen von Ingenieuren benötigt, wie soll man das denn sonst technologisch hinbekommen?
    Es gibt doch schon z.B. das Konzept der lokalen dezentralen Energieerzeugung und transportes. Hierdurch würde das große ineffizienteren "Kraftwerks-Überlandleitungs"-System ersetzt werden können. Der Vorteil ist, dass das neue System von Laien bedient werden kann. Desweiteren ist sicher ein Ausstieg aus der Atomenergie samt Fehlinvestitionen von Nöten. Dann läge sicher ein wichtiger Punkt in Vorantreibung der Sanierung zum Passiv-/Niedrigenergiehausstandard... Ob dafür nun die von Dir genannte große Ingeniörszahl benötigt wird, weiß ich nicht. Liegt es nicht eher am mangelnden Umstellungswillen bzw. systembedingter Ressourcenfehleitung (Emissionshandel, Energiemonopol der Konzerne, Subventionen, Abschreibemöglichkeiten), Scheinpartizipation der/des Bürger_in ...?

    Zitat Zitat von KingBong
    Es ist auch Aufgabe der Politik erstmal den eigenen Nachwuchs fit zu machen, bevor man Fachkräfte aus ärmeren Ländern rekrutiert, wo diese ja genau so nötig gebraucht werden.
    Teile ich Deine Einschätzung des Fachkräftebedarfes in den ärmeren Ländern, so widerspreche ich dem ersten Teil Deiner Aussage. Wieso Aufgabe der Politik? Klingt für mich wie ein Hilferuf an Autorität "Vater Staat"? Dieses Denken ist doch meiner Ansicht nach, das Problem in diesem Land. "Die da oben sollen es richten". Dabei wird missachtet, dass sie nur eingeschränkt, also sozialbefriedungsbedingt, Interesse haben, etwas zu ändern. Das System basiert u.a. auf Ausbeutung, Ungleichheit, Überfluss, Verschwendung und Verknappung. Wovon? Eigentum, Wissen, Geld, Bildung, Produkten usw. . Die Maxime ist System- und Herrschaftserhalt und nicht soziale Gerechtigkeit, auch wenn die Politiker_innen dies gerne fortwährend behaupten.

    Zitat Zitat von KingBong
    Ich wollte andeuten, daß die Bruchlinien innerhalb von (Nationen-)Gesellschaften oft deutlicher sind als zwischen menschen in verschiedenen Gesellschaften. Ein Gedanke, den ich von dem Schriftsteller und Weltbürger Ilija Trojanow aufgeschnappt habe.
    Mir gefielen von dem mir bisher unbekannten Trojanow die Worte zum Werke "Kampf der Kulturen".
    Zu Deinem vorletzten Satz passt auch gut folgender Spruch: "Die Grenze verläuft nicht zwischen den Nationen sondern zwischen den Klassen."
    Geändert von Fridom (02.09.2010 um 00:54 Uhr)
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  25. #100
    Benutzer Vegetarier und Veganer

    Standard AW: Thilo Sarrazin: Zankapfel der Nation?

    Ich möchte mal zunächst nur einen Aspekt aufgreifen:
    ist Herrschaft an sich schon verwerflich? Oder muss Herrschaft nur rational legitimierbar sein, statt nur durch Finanzkraft, Hautfarbe, Geschlecht o.ä. ?

    Wie würden in einer herrschaftsfreien Gesellschaft die Leute sanktioniert, die das Herrschaftsvakuum für ihre Zwecke ausnutzen, etwa Menschen, die sich an Kindern vegreifen?

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