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Thema: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

  1. #1
    DerKiste

    Standard Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?


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    Moin,
    ich ernähre mich seit ca. einem Jahr vegetarisch, weil ich in Fleischkonsum eine Verschwendung von Ressourcen sehe. Seit einiger Zeit frage ich mich jetzt, wie sinnvoll es ist, weiter auf Gelatine zu verzichten. Ist Gelatine nicht ohnehin eine Art "Abfallprodukt"? Besser man verwertet auch die Haut, als sie wegzuschmeißen, nachdem das Fleisch davon abgetrennt wurde, oder? Was meint ihr?
    lg

    ps: mir geht es nicht darum, ob ich dann per Definition noch Vegetarier bin, sondern um die ethische und ökologische Richtigkeit.
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  2. #2
    HolgerMaulwurf

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    Zitat Zitat von DerKiste Beitrag anzeigen
    Moin,
    ich ernähre mich seit ca. einem Jahr vegetarisch, weil ich in Fleischkonsum eine Verschwendung von Ressourcen sehe. Seit einiger Zeit frage ich mich jetzt, wie sinnvoll es ist, weiter auf Gelatine zu verzichten. Ist Gelatine nicht ohnehin eine Art "Abfallprodukt"? Besser man verwertet auch die Haut, als sie wegzuschmeißen, nachdem das Fleisch davon abgetrennt wurde, oder?
    Ich sag mal so, dann könntest du ja auch Fleisch essen, "weil das Tier ja eh schon tot ist" .

    Ausserdem wäre dann ja auch ein direkter Zusammenhang zum Fleischkonsum geschaffen, da die Haut ja von den Tieren ist, die gegessen werden. Also würdest du indirekt an der Resourcenverschwendung "Fleischkonsum" mitmachen.

    Ist jedoch weniger Nachfrage vorhanden, wird sich das Angebot auch verringern....

    GLG

    HolgerMaulwurf

  3. #3
    Strandmuschel

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    Dann könnte man auch manche Wurstsorten oder Hunde/Katzenfutter als "vegetarisch ok" ansehen, da auch sie aus Abfallprodukten der Fleischindustrie bestehen..

  4. #4
    islandheizi

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    Zitat Zitat von HolgerMaulwurf Beitrag anzeigen
    Ich sag mal so, dann könntest du ja auch Fleisch essen, "weil das Tier ja eh schon tot ist" .

    Ausserdem wäre dann ja auch ein direkter Zusammenhang zum Fleischkonsum geschaffen, da die Haut ja von den Tieren ist, die gegessen werden. Also würdest du indirekt an der Resourcenverschwendung "Fleischkonsum" mitmachen.

    Ist jedoch weniger Nachfrage vorhanden, wird sich das Angebot auch verringern....


    Sehe ich genauso. Diese Abfallprodukte fallen ja an, weil eben Tiere geschlachtet werden.

  5. #5
    DerKiste

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    Zitat Zitat von HolgerMaulwurf Beitrag anzeigen
    Ist jedoch weniger Nachfrage vorhanden, wird sich das Angebot auch verringern....
    Dem würde ich für reguläres Fleisch voll zustimmen. Wenn ich kein Fleisch esse, hat der Metzger weniger Nachfrage, also schlachtet er auch weniger und züchtet auf lange Sicht hin weniger. Im Fall von Lab ist das zum Beispiel anders. Hier sagt Wikipedia: "Die Anzahl der Kälbermägen für die Extraktion von Naturlab wird von der Nachfrage nach Kalbfleisch bestimmt und ist somit beschränkt." Ich kann also ruhig Käse essen, weil zur Gewinnung von Lab nicht extra Kälber geschlachtet werden. Wenn es kein Kalbslab mehr gibt, wird das eben durch künstliches Lab ersetzt. Genau so kann ich es mir auch gut bei Gelatine vorstellen. Niemand wird eine Kuh schlachten, weil gerade mehr Haut zur Gelatineproduktion gebraucht wird. Die Nachfrage bestimmt also vielleicht nicht das Angebot, demnach würde dann mein Gelatineverzehr vollkommen okay sein, weil durch mein Verzicht nicht weniger Tiere geschlachtet oder gezüchtet würden.

  6. #6
    hareigev

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    Zitat Zitat von DerKiste Beitrag anzeigen
    Niemand wird eine Kuh schlachten, weil gerade mehr Haut zur Gelatineproduktion gebraucht wird.
    Das ist so nicht wahr. Heute geht der Trend in der Rinderwirtschaft vermehrt in Richtung Trennung von Milch- und Fleischwirtschaft. In Frankreich beispielsweise ist dies heute bereits weitgehend realisiert. Die Kälber, die dabei in der Milchwirtschaft anfallen, werden nicht mehr gemästet, sondern direkt nach der Geburt zu (besonders zartem!) Leder und Gelatine verarbeitet. Die Nachfrage nach Gelatine und Leder ermöglicht dies erst, denn ein Wegwerfen des geborenen Kalbes wäre dann doch nicht mehr ökonomisch und Zweinutzungswirtschaft wieder vorteilhafter. Diese Art der Rinderwirtschaft würde zurückgedrängt, wenn Leder- und Gelatinekonsum zusammenbrächen, so dass der Preis dafür zerfiele... Gelatinekonsum ist daher nichts wesentlich anderes als der Konsum eines französischen Steaks. Beides ermöglicht eine rentable, spezialisierte Rinderwirtschaft und ist im heutigen Ausmass ökologischer Unsinn.

  7. #7
    DerKiste

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    Zitat Zitat von hareigev Beitrag anzeigen
    Die Nachfrage nach Gelatine und Leder ermöglicht dies erst, denn ein Wegwerfen des geborenen Kalbes wäre dann doch nicht mehr ökonomisch und Zweinutzungswirtschaft wieder vorteilhafter.
    Das hört sich sehr interessant an. Hast du dazu Links oder ähnliches, wo ich mir diese Fakten noch einmal genauer durchlesen kann? Im Bezug auf Leder war mir das schon bekannt, dass Gelatine dabei auch eine ökonomisch wichtige Rolle spielt nicht. Ich hätte das ehr wieder als praktischen Nebenverdienst eingestuft. Ob sich durch weniger Leder- und Gelatinekonsum wieder eine Zweinutzungswirtschaft einstellen würde, weiß ich auch nicht. Immerhin bringen die so gezüchteten Kühe mehr Milch und die entsprechenden Rinder mehr Fleisch. Bei der Zweinutzungswirtschaft würde das, soweit ich weiß, nicht gleichzeitig möglich sein. Es liegt in der Natur der Wirtschaft, dass auch mit "unbrauchbaren" Dingen, wie den männlichen Kälbern von Milchkühen, versucht wird, möglichst viel Geld zu machen. Von hier aus rückwärts zu schließen, dass das der Grund für eine Trennung von Milch- und Fleischwirtschaft ist, und deshalb ohne diesen Gewinn die Trennung wieder rückgängig gemacht wird, ist zumindest nicht offensichtlich. Auch hier würde ich mich über Links sehr freuen, weil ich noch nicht auf eine solche Argumentation gestoßen bin.

  8. #8
    Glitzerstein

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    Suppenhühner müssten nach dieser Logik doch auch nur ein Abfallprodukt sein das man ruhig essen kann oder irre ich mich da?

  9. #9
    Paulus

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    Zitat Zitat von Glitzerstein Beitrag anzeigen
    Suppenhühner müssten nach dieser Logik doch auch nur ein Abfallprodukt sein das man ruhig essen kann oder irre ich mich da?
    Du irrst Dich nicht. Das Suppenhuhn ist afaik eine ausgediente Legehenne. Fachgerechte Entsorgung ist teurer als über den Umweg über die Mägen der Konsumenten.

    Abgesehen davon das ich kein Fleisch esse, würde ich mich auch sonst nicht als Müllschlucker zur Verfügung stellen.
    Geändert von Paulus (10.08.2010 um 19:45 Uhr) Grund: einmal mich reicht völlig :)

  10. #10
    Rippy

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    @Hareigev: Und die Nachfrage nach Gelatine ist dermaßen groß? Oder exportiert Frankreich?

  11. #11
    DerKiste

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    Zitat Zitat von Paulus Beitrag anzeigen
    Fachgerechte Entsorgung ist teurer als über den Umweg über die Mägen der Konsumenten.
    Wenn die Konsumenten keine Suppenhühner mehr essen würden, würde man aus Konstengründen die Hennen vielleicht ein bisschen Länger Eier legen lassen, bevor man sie teuer entsorgt, damit sie ihre Entsorgung quasi selbst bezahlen. Dann würden weniger Hennen gebraucht und deshalb letztendlich auch weniger gezüchtet/getötet. Es ist also sinnvoll, keine Suppenhühner zu essen, weil dadurch weniger Tiere sterben. Ob es allerdings ökologisch sinnvoll ist, Nahrung einfach so auf den Müll zu werfen, ist eine andere Frage. Hier ist es also, meiner Theorie nach, nicht ganz so einfach wie bei der Gelatine.

  12. #12
    HolgerMaulwurf

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    @DerKiste: Naja, die Henne würden man nicht länger leben lassen, da ich denke, dass die "Legeleistung" auch nachlassen wird. Dann wird bestimmt gerechnet, ob nicht ein "neues Huhn" angeschafft werden sollte, da es im Schnitt wohl wieder mehr Eier "produzieren" würde, als eine Legehenne, die schon fast tot, und somit "verbraucht" ist. Ob jetzt aus der Leiche ein Suppenhuhn wird oder Tierfutter oder was weiss ich, ist "denen" denke ich mal relativ egal. Klar ein Suppenhuhn "wirft" noch ein paar ct mehr ab...aber ich gehe stark davon aus, dass auch andersweitig mit den Kadavern noch Geld verdient wird, als nur "Suppenhuhn".

    GLG

    HolgerMaulwurf

  13. #13
    Salzstreuerin

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    Kälber sind ein Abfallprodukt der Milchindustrie. Warum also kein Kalbfleisch essen?

    Ich werfe dieser Industrie kein Geld in den Rachen, das sind alles Produkte die aus Tierquälerei stammen. Mit mir steigern sie nicht ihren Gewinn, denn dieser allein rechtfertigt ihre Existenz.

  14. #14
    hareigev

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    Zitat Zitat von DerKiste Beitrag anzeigen
    Das hört sich sehr interessant an. Hast du dazu Links oder ähnliches, wo ich mir diese Fakten noch einmal genauer durchlesen kann?
    Ich bin nicht ganz sicher, was genau du sehen willst.. Wenn es darum geht, wieviel am Gesamterlös in reiner Milchwirtschaft von den Kälbern kommt, dann ist das möglicherweise von Interesse. Man kann grob sagen, dass Schlachterlöse einen tiefen zweistelligen Prozentanteil des Gesamterlöses ausmachen in reiner Milchwirtschaft. Anmerkung: Man beachte, dass eine Laktation bei reiner Milchwirtschaft länger dauert als in Zweinutzungswirtschaft, weil die Kälber eben nicht wirklich erwünscht sind. Dadurch ist man in der Lage, den Kälberanfall zu reduzieren.

    Im Bezug auf Leder war mir das schon bekannt, dass Gelatine dabei auch eine ökonomisch wichtige Rolle spielt nicht. Ich hätte das ehr wieder als praktischen Nebenverdienst eingestuft.
    Ich unterteile nicht in Haupt- und Nebenverdienst. Am Schluss muss die Gesamtrechnung stimmen, und die ist hart an der Grenze. Die Trennung von Milch- und Fleischwirtschaft führt heute nicht zu günstigerer Gesamtproduktion (Milch+Fleisch), allerdings zu besserer Fleischqualität (zartes Rind statt zähe Kuh). Die Tatsache, dass sowohl Zweinutzungswirtschaft, als auch spezialisierte Milch- bzw. Fleischproduktion betrieben wird, verdeutlicht, dass es keinen eindeutigen wirtschaftlichen Zwang für das eine oder andere gibt. Letztlich verschiebt hier jeder Cent das Gleichgewicht auf die eine oder andere Seite - egal, ob Haupt- oder Nebenverdienst. Und ein Preissturz bei Gelatine trifft eindeutig die reine Milchwirtschaft stärker.
    Wenn man br-online glaubt, sollte man aus ökologischen Gründen dafür sorgen, dass Zweinutzung gefördert wird. http://www.br-online.de/bayerisches-...1910091188.xml
    (Sorry, das war jetzt nicht wirklich das Totschlagargument; ich such dann später vielleicht noch einmal ein paar schlauere Infos, wenn ich mehr Zeit zum Suchen hab.)
    Ob sich durch weniger Leder- und Gelatinekonsum wieder eine Zweinutzungswirtschaft einstellen würde, weiß ich auch nicht. Immerhin bringen die so gezüchteten Kühe mehr Milch und die entsprechenden Rinder mehr Fleisch.
    Die Spezialrassen werden wohl nicht ganz verschwinden, weil sie insbesondere besseres (zarteres) Fleisch liefern, als eine mehrjährige zähe Kuh. Aber der Anteil verschiebt sich Richtung Zweinutzungsrind, wenn reine Milchwirtschaft weniger rentabel wird.

    Von hier aus rückwärts zu schließen, dass das der Grund für eine Trennung von Milch- und Fleischwirtschaft ist, und deshalb ohne diesen Gewinn die Trennung wieder rückgängig gemacht wird, ist zumindest nicht offensichtlich.
    Es ist halt ein Aspekt, der reine Milchwirtschaft bevorzugt.
    Zitat Zitat von Glitzerstein Beitrag anzeigen
    Suppenhühner müssten nach dieser Logik doch auch nur ein Abfallprodukt sein das man ruhig essen kann oder irre ich mich da?
    Suppenhühner sind es im Gegensatz zu Gelatine tatsächlich. Bei uns werden 80% der ausrangierten Legehennen als Tierkadaver vernichtet (Entsorgung ca. 1 CHF pro Henne), weil eine Nutzung in den Augen der Grossverteiler nicht rentiert. http://www.schweizerbauer.ch/htmls/artikel_19922.html

    Zitat Zitat von DerKiste
    Wenn die Konsumenten keine Suppenhühner mehr essen würden, würde man aus Konstengründen die Hennen vielleicht ein bisschen Länger Eier legen lassen,
    Die Konsumenten essen tatsächlich kaum noch Suppenhühner. Heute werden bereits 80% der ausrangierten Hennen nicht mehr verwertet, sondern zu Strom verarbeitet oder verbrannt. Man lässt die Hennen aber deshalb nicht länger leben, weil an Ostern ein Peak in der Nachfrage besteht. Legehennen leben zwei Mal Ostern lang, so dass man um Ostern die Eiproduktion verdoppeln kann, um danach wieder runter zu fahren. MMn ist hier eigentlich ganz klar, dass dieses Vorgehen aus Tierschutzgründen eigentlich illegal ist. Es steht für mich ausser Frage, dass massloser Eikonsum an Ostern kein hinreichend hohes Interesse ist, das die Tötung der Legehennen rechtfertigt.

    Zitat Zitat von Rippy
    @Hareigev: Und die Nachfrage nach Gelatine ist dermaßen groß? Oder exportiert Frankreich?
    Ich weiss nicht im Detail, was die Franzosen alles machen mit der Gelatine. Wein klären tun sie auf jeden Fall damit, und sie haben ziemlich viel Wein. Aber ansonsten bin ich überfragt.

  15. #15
    millakilla

    Standard AW: Gelatine - nur ein "Abfallprodukt"?

    Zitat Zitat von Salzstreuerin Beitrag anzeigen
    Kälber sind ein Abfallprodukt der Milchindustrie. Warum also kein Kalbfleisch essen?

    Ich werfe dieser Industrie kein Geld in den Rachen, das sind alles Produkte die aus Tierquälerei stammen. Mit mir steigern sie nicht ihren Gewinn, denn dieser allein rechtfertigt ihre Existenz.
    dem stimme ich voll und ganz zu, denn jede Nachfrage bestimmt langfristig das Angebot, vielleicht kommt man irgendwann dahin, mehr pflanzliches anstelle von Gelatine zu verwenden.

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