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Folgende Situation hat mich heute in die Lage gebracht, daß ich gerade nicht weiß, wie ich damit umgehen soll:
Hatte letze Woche eine Anfrage von einem potenziellen Neukunden bekommen, sämtliche Geschäftsunterlagen für sein neues Projekt zu erstellen.
In einem darauf folgenden, netten Telefonat erfuhr ich erst mal nur in groben Zügen, daß es sich bei dem Projekt um den Vertrieb von ungarischen Spezialitäten wie Spirituosen und Backwaren im deutschen Raum handelt. Es wurde ein Termin für ein persönliches Gespräch vereinbart, um über die Details des Projektes und die Einzelheiten der gestalterischen Kommunikation zu sprechen. Vor so einem Gespräch schicke ich an Kunden immer eine E-mail mit der Bitte um einige detailliertere Angaben zu Art und Umfang der Werbemaßnahmen und genauere Angaben zum Unternehmen und der Produktpalette. Und heute erhalte ich (Schluck) eine freundliche Antwort u.a. mit einer Auflistung ihres Produktsortiments:Unter Anderem auch wird mit Stolz auf eine besondere Schweine-Spezialität hingewiesen.Kolbasz, behandelte
Fleischwaren, eventuell Frischfleisch, Pasteten ...
Die Aufzählung in der Mail umreißt nur grob die Gesammtpalette - ich vermute mal Stark, daß es mit Gänseleberpastete etc. weitergeht.
Sch....! Ich hatte befürchtet, daß mir sowas mal passiert! Ich war erst mal so perplex, daß ich noch gar keinen Ansatz finde, wie ich weiter in der Sache vorgehen soll!? Wart Ihr schon mal in so einer blöden Lage?
ich verlaufe jeden Tag Fleisch. Ich arbeite in nem Supermarkt und muss es durch die Kasse ziehen bzw. einräumen.
Gebt Schweinen eine Chance...Lasst die armen Rinder in Ruh...Hol die Hühner aus dem Käfig...Die Schmecken nicht besser als du!
Der Unterschied dabei besteht darin, daß Du das Fleisch aber nicht direkt anbieten mußt. Soll heißen, Du stehst ja nicht am Pult und schreist "Kommen Sie, probieren Sie! Erstklassige Ware, Lecker und Gut!"
Mein Job wäre es ja, die Produkte besonders postitiv hervorzuheben und wirksam zu bewerben. Geht irgendwie gar nicht, aber den Termin muß ich erst mal wahrnehmen.
ich würde den termin wahr nehmen und ihn nett sagen das er sich einen anderen suchen soll
denn was wäre das denn?
ich würde meine einstellung immer vertreten!und nichts tun was damit nicht vertretbar ist
ich habe mich auch mal beim supermarkt beworben als regalpackerIN und naja dann sollte ich auch irgendwas mit fleisch und fisch machen aber das habe ich nicht gemacht bzw bin dann wieder gegeangen!
bist du wirklich tierlieb ???
dann lebe vegan!!!
gelöscht
Das werde ich wohl auch so machen müssen.
Denn schließlich ist so ein Vorgespräch erst mal überhaupt keine Garantie für eine Zusammenarbeit und vielleicht ergeben sich aus dem Gespräch ohnehin noch andere Gründe, die dagegen sprechen. Ich denke, daß wäre dann die beste Lösung. Ich glaube, ich würde bei einem Kunden ungern mit meinem moralischen Problem vorsprechen.
Ich bin mir gerade auch noch nicht schlüssig, welcher Weg der Richtige ist.
Einerseits ist es ein Job aber andererseits wollte ich solch eine Aufgabe nie übernehmen. Ich hadere mit mir selbst: irgendwie denke ich, meine Abneigung, es zu übernehmen, ist vielleicht doch übertrieben. Ich mache mir glaube ich hauptsächlich Gedanken darüber, wie meine Gründe für eine Ablehnung nach Außen/für Andere wirken. Aber für mich fühlt es sich falsch an.
Und da war dir vorher nicht klar, dass da tierische Sachen dabei sein könnten?[/QUOTE]
doch aber nicht so an der theke , bei der anzeige stand ja was ganz anderes als sie mir anboten...
und so fertigpackungen , gemüse ect. hätte ich ja eingeräumt aber kein fische feletiert!
bist du wirklich tierlieb ???
dann lebe vegan!!!
@magica:
ja, bin gottseidank selbständig, daher kann ich ja im Grunde entscheiden.
Zwar betrifft dieses Projekt nicht nur mich, da noch andere mit mir ein Team bilden. Doch wir haben das Problem vorhin besprochen und das Thema war eigentlich nach zehn Minuten durch: ich kann entscheiden, ob es für mich o.k. ist.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß ich in einem Angestelltenverhältnis eine Wahl hätte.
gelöscht
@magica:
verdammte Schande, daß ich in die Lage gekommen bin.
Würde eine Metzgerei anfragen, wäre der Fall klar: ablehnen!
So werde ich mich nach dem Gespräch nach Einkunft weiterer Einzelheiten entscheiden, daß Treffen ist ohnehin schon vereinbart und absagen im Vorstadium ist unprofessionell und macht macht keinen Sinn, da es ja nicht wehtut sich erst mal alles anzuhören.
Das Problem ist ja aber auch, daß man sich nicht in ein Projekt voll einbringen kann, wenn sich alles in einem sträubt. Die Frage ist wohl eher Geld oder Gewissen.
gelöscht
hm ... schwieriges problem. auf der anderen seite hättest du zeit, einen anderen auftrag an land zu ziehen, wenn du diesen ablehnst. muss also gar nicht sein, dass weniger geld reinkommt. wenn du das geld natürlich dringend brauchst, geht es halt einfach nicht anders.
ich arbeite auch freiberuflich und vor einiger zeit habe ich mal eine anfrage von rechtsnational gefärbten irren (leider innerhalb der gesetzlichen grauzone) bekommen. den auftrag MUSSTE ich natürlich ablehnen, das hätte ich unmöglich mit meinem weltbild vereinbaren können, obwohl ich das geld dringend gebraucht hätte. wie durch ein wunder kam aber eine woche später eine anfrage von einer institution, die anti-rassismus-arbeit macht. das war dann natürlich perfekt! hätte ich meine zeit mit den nazi-spacken verschwendet, hätte ich den (übrigens auch noch sehr interessanten) antirassismus-auftrag zeitmäßig nicht annehmen können. in meinem fall hat es sich also ausgezahlt, auf mein gewissen zu hören ;).
gruß torte
Erst mal vielen Dank für eure Antworten!
Werde euch nach meinem Termin berichten, wie das Gespräch lief!
@magica: mein "Laden" läuft (klopf-auf-Holz) gottseidank so gut, daß ich z.Zt. überhaupt keine Akquise machen muss, Anfragen kommen genug von selbst.
Bisher hatte ich auch noch nie einen Kunden aus dem Bereich, sondern völlig andere Klientel. Ich kann nur hoffen, daß ich nicht mehr in so einen Konflikt komme und nicht ablehnen kann. Bei diesem Auftrag ist mir ja übrigens der genaue Umfang und das Budget noch nicht bekannt.
Während des Studiums habe ich als freier Mitarbeiter ein Jahr lang die Beilagenprospekte für einen Supermarkt mit "N" gelayoutet. Damals habe ich mir über die Thamatik leider noch keine Gedanken gemacht - heute ist das anders!
@kirschtorte:
Dein Beispiel ist gut! Klar musstest Du in dem Fall ablehnen.
Man sollte eigentlich in jedem Fall genug Mumm haben, um Aufträge abzulehnen, die gegen die eigene Überzeugung sprechen. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, wo ich "nein danke" sagen würde und wo nicht, wird mir wieder mal klar, wie schwer es mir dann doch fällt, nicht gewisse Abstriche zu machen. Es gibt so eindeutige Fälle wie der Deine. Aber wenn es dann z.B. um Kosmetik ginge, würde ich´s machen. Habe wohl leider den falschen Beruf gewählt um zu wählerisch sein zu können. Deshalb würde mich interessieren, wie andere Sebständige mit dem Problem umgehen...
naja, ich bin ja auch selbständig, bin aber glücklicherweise bis auf die sache mit den nazi-spacken noch nie vor einer solchen entscheidung gestanden. für mich persönlich wäre es schon eine entscheidungshilfe, wieviel prozent der gesamtaktivitäten des kunden im verkauf solchen produkten liegt. wenn das ab und zu mal vorkommt und der kunde sonst nur gemüse an den mann bringen will, wär das vielleicht noch machbar. wenn der hauptartikel des kunden natürlich schweine-spezialitäten aus massentierhaltung sind, wäre es für mich schon sehr schwierig. dann wäre es vermutlich auch für den kunden besser, wenn ich ablehnen würde - ich glaub nämlich nicht, dass ich die message so erfolgreich an die zielgruppe bringen könnt.
gruß torte
und wenn es dazu käme, daß Du den Auftrag ablehnen müßtest?
Würdest Du einen anderen Grund vorschieben (z.B. keine Kapazitäten frei oder das Angebot so hoch anlegen, daß der Kunde ablehnen muß) oder würdest Du offen den eigentlichen Grund mitteilen?
Auch wenn ich nicht selbstständig bin-- ich würde es auf die Kapazitäten schieben.
Wir leben nun mal in ner Gesellschaft, in der Veganismus als "seltsam" abgestempelt wird und ob das so gut für deinen Job ist... der Schuss könnte nach hinten los gehen.
Angebot hoch legen-- auch suboptimal, weil du sonst den Ruf bekommst, überteuert zu sein- und halt deine Ethik anzugeben... hmm, dann sehen dich manche vielleicht als unprofessionell an. Denn kaum ein Omni-Kunde wird sich in deine Lage reinversetzen können.
Schwieriges Thema halt- aber meine Entscheidung wäre der "Kapazitäten-Grund"... DU weißt ja, warum du abgelehnt hast ;)
gelöscht
Würde ich auch so machen... besonders, da es dem Originalposter ja in der Tat so gut geht, daß sie keine Acquise machen muß (wenn ich da nix verwechselt habe).
Stimmt zu 100%. Kapa-Gründe sind erstens plausibel (again: wenn ich mich nicht vertan habe :rolleyes: ), und hinterlassen zweitens einen positiven Eindruck ("wow, die ist begehrt => muß gut sein"). Das kann bei Acquisen via Mund-zu-Mund-Propaganda vielleicht helfen.
Klar ist es eine Notlüge. Aber wer schonmal, wie ich, an Einstellungstätigkeiten in Unternehmen beteiligt war, der weiß, daß das Gang und Gäbe ist. Ich habe noch nie erlebt, daß eine Bewerbung abgelehnt wurde mit den Worten "Sie haben einen zu unzuverlässigen und schlampigen Eindruck hinterlassen...". In den Schreiben, die den zurückgesendeten Unterlagen beiliegen, ist immer von "leider haben wir NOCH qualifiziertere Bewerber gefunden" oder "Sie sind qualifiziert, aber wir suchen leider jemanden mit den Schwerpunkten Bla und Blub" (für die finden sich immer Fachausdrücke, die halt NICHT im Lebenslauf stehen) die Rede.
Ich selber war auch schonmal fast in einer solchen Situation, als bei uns in der Firma der Heldenklau umging und nach Mitarbeitern für ein Bundeswehrprojekt gesucht hat. Ich hätte dann einfach die Unterschrift unter das Dokument, das dem Militärischen Abschirmdienst Zugriff auf mein Privatleben gibt, verweigert, oder auf meine Kriegsdienstverweigerung hingewiesen, aber Stress hätte es schon geben können. Von daher bewundere ich die Konsequenz des Originalposters und von Sojasahnekirschtorte.
L.
bin absolut einer meinung mit meinen vor-postern. im fall des falles würde ich es auch auf die kapazitäten schieben. hab ich bei den nazi-spacken auch so gemacht, obwohl ich denen liebend gerne meine meinung gesagt hätte. wäre aber wohl äußerst unprofessionell gewesen.
die wahrheit habe ich nur mal einem meiner kunden erzählt (war bei einer weihnachtsfeier, da war ich wohl nicht mehr ganz nüchtern), und er war gleich total begeistert. er hat das nämlich auch mal gemacht, also braune spinner abgewimmelt und nicht für sie gearbeitet. seitdem empfiehlt mich dieser kunde wie verrückt weiter.
habe schon einige aufträge durch seine vermittlung bekommen.
du kannst ja mal die firma googlen und versuchen, dir ein bild zu machen. ich mein, wenn man sich zum ziel setzt, nur noch für fair-trade-konsumierende vegetarier und veganer zu arbeiten, wird man ziemlich schnell verhungern ;). man muss also schon auch realistisch bleiben, finde ich. aber wenn die schweine-spezialitäten das hauptprodukt dieser firma sind, wird der auftrag ja auch zur quälerei für dich, oder? man soll ja auch freude an der arbeit haben.
gruß torte
Geändert von kirschtorte (10.01.2008 um 00:46 Uhr)
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