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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kein Fleisch = Ernährungsmangel ???


Lori
28.10.2006, 21:03
Hallo zusammen,

hatte neulich gerade mal wieder eine kleine Auseinandersetzung mit einem Fleischfresser :D . Als ihm bzw. ihr so nach und nach die Argumente ausgingen kam wieder dieses aber-dir-fehlen-doch-sämtliche-Nährstoffe-Thema. Ich muss sagen, mir geht an dieser Stelle immer n bisschen die Puste aus. Also ich bin noch nicht so lange Vegetarierin (fast ein Jahr), aber ich hab noch keine "Entzugserscheinungen" gehabt. Ich kann es mir auch echt nicht vorstellen. Ich dachte immer, dass nur Veganer Vitamin-Ersatz und so was brauchen. Ich hab neulich sogar gelesen, dass der Mensch ursprünglich Pflanzenfresser ist. Naja, ich muss jedenfalls doch immer wieder feststellen, dass ich auf diesem Gebiet herzlich wenig auskenne. Deswegen wäre es seeehr nett, wenn da mal jemand etwas zu sagen könnte. Leute, ich brauch Fakten! Denn das war bestimmt nicht die letzte Diskussion, die ich diesbezüglich geführt habe. Na, ihr kennt das ja sicher...:rolleyes:

Also dann...
Ein ganz dickes Dankeschön schon mal im Voraus, eure Lauri

Rygel
28.10.2006, 22:27
Naturwissenschaftler und Philosophen (Pythagoras, Leonardo da Vinci, Einstein) haben es schon immer gewusst. Nachdenkliche, sensible Menschen haben es stets empfunden, was heute kaum noch von einem seriösen Wissenschaftler in Frage gestellt wird. Viele Studien in aller Welt bestätigen es - der Mensch ist im Schöpfungsplan ein Pflanzenesser und gelangt bei dieser Ernährungsweise zu seiner optimalen körperlichen, seelischen und ethischen Entfaltung.

Unübersehbare Indizien für diese Wahrheit sind unter anderem:

a) Das typische Gebiss des Pflanzenessers, das nicht geeignet ist zum Zerreißen und Schneiden des zähen Fleisches und Zerbrechen der Knochen, wohl aber zum Zerquetschen und Zermahlen der Früchte.

b) Die Länge des Darmes entspricht mit der etwa 6-fachen Länge des Körpers der anderer Pflanzenesser. Der Darm der natürlichen Fleisch- und Aasesser ist gerade halb so lang und erfüllt auf dieser kurzen Strecke seine Funktion nicht zuletzt deshalb, weil für die Verdauung eine etwa 10mal stärkere Konzentration von Magensäure zur Verfügung steht als bei Pflanzenessern.

c) Der Mensch hat die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden. Nur wenige würden Fleisch essen, wenn sie selbst schlachten müssten. Beutetiere zu schlagen und gleichzeitig Mitleid mit dem Opfer zu empfinden, ist ein Widerspruch, den sich die Natur nicht leisten kann.

d) Die Höhe der Lebenserwartung bei Völkern mit niedrigem und hohem Fleischkonsum spricht eine deutliche Sprache hinsichtlich der richtigen Versorgung mit Nährstoffen. So haben die Hunza, ein überwiegend vegetarisch lebendes Bergvolk im Himalaya, eine Lebenserwartung von durchschnittlich 80 -100 Jahren. Kirgisen und Eskimos, die sich überwiegend von tierischen Produkten ernähren, bringen es dagegen nur auf durchschnittlich 40 Jahre.

Diese kleine Auswahl handfester Fakten sollte eigentlich schon ausreichen, die Bestimmung des Menschen hinsichtlich der Ernährung zu definieren. Dennoch folgt die Praxis nicht der logischen Folgerung.

Die Forschung stößt immer wieder auf Hinweise, dass unsere Vorfahren schon zu Urzeiten auch Tiere und nicht zuletzt ihre Artgenossen verspeist haben. Die Frage, warum dies geschah, ist leicht zu beantworten:

1. Wenn bedingt durch Naturkatastrophen (beispielsweise Eiszeiten) pflanzliche Nahrung nicht gedeihen konnte, gab es immer verendete Tiere, deren Fleisch die wichtigsten Nährstoffe zum Überleben lieferte.

2. Mit dem relativ kurzen und geringen Kraftaufwand des Jagens und Fischens konnte der Kalorienbedarf viel bequemer gedeckt werden als mit dem mühsamen Sammeln von Früchten und Knollen (Sündenfall?).

3. Im Konkurrenzkampf um das weibliche Geschlecht konnte der erfolgreiche Jäger offenbar mehr imponieren als der fleißige Gärtner, denn er demonstrierte geschätzte Eigenschaften wie Kraft, Schnelligkeit und List.

4. Überlieferte Rituale bei vielen Völkern weisen daraufhin, dass man die Vorstellung hatte, die Kraft und Schnelligkeit der Tiere sowie deren Jugend (ein Stück Lebenskraft) sich einverleiben und aneignen zu können, indem man sie verspeist. Dieser zum Glauben erhobene Wunsch treibt noch heute bizarre Blüten bei der so genannten Frischzellentherapie, bei der betuchten Kandidaten für viel Geld ein Cocktail aus den noch lebenswarmen Innereien ungeborener Lämmer injiziert wird in der Hoffnung auf Verjüngungseffekte. Beim Kannibalismus war es oft ein Privileg der Häuptlinge, das Gehirn und die Hoden des Opfers zu verspeisen in der Hoffnung auf zusätzlichen Verstand und zusätzliche Potenz. Die genannten Motive haben in unserer Zeit durchweg ihre Bedeutung verloren.

zu 1: Wir haben die Auswahl unter vielen Lebensmitteln und können uns geeignet erscheinende leicht besorgen.

zu 2: Der Kauf von Fleisch bringt heute weder eine Kraft- noch Zeitersparnis, da alles wohlfeil angeboten wird. Die pflanzliche Nahrung ist sogar billiger.

zu 3: Moderne, emanzipierte Frauen erklären bei Umfragen überzeugend, dass der gefühlvolle, kreative Mann inzwischen höher geschätzt wird als der kraftstrotzende Macho.

zu 4: Gewisse Wirkungen, und sei es auch nur ein Placebo-Effekt, sind zwar nicht ganz auszuschließen, konnten bisher jedoch nicht zuverlässig nachgewiesen werden. Im Übrigen ist es eine Frage des ethischen Entwicklungsstandes, ob man sein Leben auf Kosten anderen Lebens verlängert haben möchte. Somit wäre die Ernährungsfrage geklärt, wenn es da nicht noch ein anderes Phänomen gäbe: "Fleisch als Statussymbol und zur Befriedigung unbewusster Triebe". Fleischverzehr galt und gilt noch immer als Dokumentation von Stärke und Machtanspruch. Gefangene bekamen Wasser und Brot, um mit Nachdruck zu unterstreichen, dass sie keine Macht mehr hatten. Die obligatorische Speise der Sieger und Herren ist Fleisch.

Wenig bekannt ist die Tatsache, dass auch heute, wo in Strafanstalten und Therapieeinrichtungen die vermeintliche Normalkost mit Fleisch angeboten wird, auffallend viele Insassen den Fleischverzehr ablehnen und sich vegetarisch ernähren. Sie haben sich damit identifiziert, nicht zur herrschenden Schicht zu gehören und lehnen auch deren Lebensstil ab. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie selbst die Unfreiheit kennen und dadurch ein besonderes Gefühl für das Leid der Tiere entwickeln. Diese besondere Situation kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass das Streben nach sozialem Aufstieg und Macht eine der stärksten Triebfedern der Gesellschaft ist und Statussymbole und Imponiergehabe bewährte Kampfmittel sind. Bei einer Vereinsfeier mit reichlichem Alkoholgenuss schleuderte zu vorgerückter Stunde ein Arbeiter einem Unternehmer entgegen: "Dir passt es nicht, dass der Arbeiter heute auch ein Schnitzel essen kann!" Obwohl es bei dem Streitgespräch keineswegs um Essen ging, wusste jeder, was gemeint war. Wer Fleisch verzehrt, zeigt, dass er sich zu den Gewinnern zählt. Auch gibt er sich selbst damit die Bestätigung, dass er kein Softy, Weichei oder gar ein Looser ist. Es ist auch kein Zufall, dass es bei der Fleischreklame immer ganze Kerle sind, die da herzhaft in die Wurst beißen. Der Siegertyp schlechthin ist der Jäger, der nicht nur mit einer lockeren Fingerbewegung ein starkes Tier erlegt. Er zeigt auch, dass er finanzielle und soziale Potenz besitzt, denn die Jagd ist teuer, der Erwerb des Jagdscheins auch. Die finale Besiegelung des Unterwerfungsaktes ist das Verspeisen des Opfers. Aufgrund der heutigen Bevölkerungsdichte kommen nur noch wenige zu dem Privileg, selbst zu jagen. Das Bedürfnis, zu beherrschen, zu unterwerfen, sich selbst als Siegertyp darzustellen, ist jedoch bei vielen vorhanden, denn leider ist eine Erziehung, die konsequent Achtung vor dem Leben vermittelt, noch immer die Ausnahme. Was bleibt da dem Nicht-Jäger als Ventil? Die Endstufe der Unterwerfung, das Verzehren des getöteten Tieres, ist für jeden ohne weiteres zu realisieren, notfalls mit Schweinemett aus dem Sonderangebot.

Nach solchen Betrachtungen könnte man sagen: "So ist die Welt leider eingerichtet, es muss wohl so sein." Aber halt! Warum flechten wir das Wörtchen leider ein? Irgendwie scheinen wir an solchen Umständen zu leiden. Da ist jener dunkle Drang, der Lust am Zerstören verspricht. Konrad Lorenz hat ihn als das "so genannte Böse" bezeichnet. Erich Fromm wird noch deutlicher und nennt ihn "Todestrieb". Die Religionen sehen in der Bewältigung dieses Triebes den Weg zur Erlösung. Wir haben nicht nur die Sehnsucht, sondern auch die Fähigkeit, Grausamkeit und Gewalt zu vermeiden. Grausamkeit hat keine unterschiedliche Qualität bei verschiedenen Opfern. Leo Tolstoi hat es wohl treffend formuliert, indem er sagte: "Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben".

Jeder hat die Fähigkeit, seine dunklen Triebe zu sublimieren und die entsprechenden Energien auf Kreativität und Mitgefühl hinzulenken.

Auf diesem Weg winkt schönste Selbstbestätigung und Erfüllung.

Ich weiß gar nicht mehr, von welcher Seite ich mir das damals kopiert habe, aber auf jeden Fall faßt es das Thema für mich schön zusammen.

sonny
28.10.2006, 23:18
Wow Rygel, da bleibt ja wirklich keine Frage mehr offen!! Das werd ich mir ausdrucken, sobald ich meinen Drucker habe!:D
Dich, Lori möcht ich erst einmal ganz herzlich bei uns im Forum Willkommen heißen! :)
Meine persönliche Erfahrung: Ich esse schon seit Jahrzehnten kein Fleisch mehr und hab recht wenig Milchprodukte verzehrt (Jetzt gar nichts mehr). Seitdem ich das ganze Obst- und Gemüseangebot in voller Bandbreite nutze, gehts mir gesundheitlich sogar besser. Mangel wirst Du keinen haben, wenn Du neben Obst und Gemüse auch Pilze, Nüsse, Hülsenfrüchte, Sojaprodukte und Getreideprodukte ißt. Wenn Dus magst, auch ein wenig Algen und Seetang (Jod)
Liebe Grüße von Sonny

itchyfeet
29.10.2006, 16:06
Ich bin seit über 5 Jahren Veggie und habe letzte Woche mal ein großes Blutbild machen lassen - u.a. aus Neugier, wie denn die Werte sind.
Das Ergebnis - alles prima, von allem mehr als genug und vom Eisen sogar um einiges mehr als die Norm.
Zugegeben, ich esse viel Milchprodukte und auch Eier sowie Soja, aber keine extra Vitaminpillen.

minka852
04.11.2006, 18:53
ich kenne das thema auch sehr gut...dass leute meinen, sobald man sagt, man ist kein fleisch und kein fisch, sagen zu müssen, das kann deim körper doch auch nicht guttuen und dir fehlen doch allemöglichen minearlien, die nur in fleisch enthalten sein können...

ich bin schon seit 10 jahren vegeatierin, nehme keine "ersatzpräperate" (außer ab un zu soja :p ) und lasse regelmäßig mein blut untersuchen und ich kann 100% sagen, dass mir bestimmt nichts fehlt...wenn dann noch fragen kommen, bring ich auch immer das argument, dass menschen eigentlich planzenfresser (aufgrund des gebiss, des verdauungsdraktes usw) sind...naja manche stellen sich dann doch lieber mit löwen oder sonstigen fleischfressern gleich, anstatt das einzusehen, was Rygel zitiert hat :rolleyes: ...

aber als vegetarier ist man solchen leuten wohl immer ausgesetzt :mad:

minka852
04.11.2006, 18:54
upps schreib fehler...in dem satz : dass leute meinen, sobald man sagt, man ist kein fleisch und kein fisch soll des isst heißen und nicht ist :D

Ocean of Love
04.11.2006, 19:12
HAHAHAHa
der war wirklich gut -
mal ne Frage - wie viel Menschen ihr kennt, die mit protein- oder kalziummangel oder so was im Krankenhaus liegen??
Und wie viele die an Ostheoporose, Arterienverkalkung, Bluthochdruck, Cholesterinspiegelüberhöhe, Übergewicht(es könnte ewig weiter gehen) leiden?
na also - letztere hängen nämlich alle mit dem verzehr von zu vielen tierischen Fetten zusammen - bei einer der größten empirischen Studien überhaupt, der China Study(gleichnamiges Buch) wurde aufgezeigt, welche Krankheiten bei allen Leuten in China nicht vorhanden sind, die keine oder nur sehr wenige tierische Nahrungsmittel zu sich nehmen - dort wurde übrigens auch eine eindeutige Korelation zwischen Milchprodukten und Brustkrebs festgestellt(der fehlt oben noch in der Liste...)
Achso ja - vielleicht noch eines - du kannst deinen Bekannten ja auch mal darauf hinweisen, wieviele VEGANE Athleten es gibt wie z.B. Carl Lewis und sogar viele, die den Ironman gewonnen haben wie Brendan Brazier oder Dr. Ruth Heidrich, wobei letztere einen Doktor in Ernährung hat, sich durch vegane Ernährung von Brustkrebs heilte, mit 70 immer noch Wettkampfsport betreibt und vegan 900 Goldmedaillen gewonnen hat :-)
Achso eine weitere Auflistung von mehr als 700 Berühmheiten aller Kategorien aus Vergangenheit und Gegenwart, die alle Veggies waren und sind findest du hier
http://al.godsdirectcontact.org.tw/vg-vip/query/index.php
Also dann - bleib stark - Du weisst ja dass du auf der richtigen Seite stehst - und immer schön cool bleiben, wie leute, die wissen dass sie recht haben und durch innere ruhe, nicht durch Ausflippen überzeugen ;-)

ShiningStar
05.11.2006, 15:40
Ich ess seit jahren kein fleisch (aber milchprodukte) und hab keinerlei mangel. Hab grad erst vor ein paar wochen wieder nen bluttest gehabt und da war alles super!