Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Geschichte mit Sonny
So Sonny,
hier hast du deinen ganz persönlichen Geschichtsthread :D .
Erzähl mir bitte etwas über deine Zeit als Vegetarierin zu der damaligen, schweren Nachkriegszeit. Wie haben die Leute darauf reagiert, wo gerade Fleisch etwas besonderes und kostbares war? Hast du auch andere Vegetarier gekannt?
*gespannt auf der Couch sitz und sonny zuhör*
Hi Lena, sooooo alt bin ich nun auch wieder noch nicht...:D :D
Ich bin zwar schon 1950, was man durchaus noch als Nachkriegszeit bezeichnen kann, geboren, aber Vegetarier wurde ich erst so ca Mitte der 70er. Ich hab aber zum Leibwesen meiner Mutter/Oma nie gern Fleisch gegessen. Ich mußte aber!!!! Das war mir manchmal so eklig, daß ich die Stücke unzerkaut runtergeschluckt habe. Ich hat halt keine Wahl, es mußte gegessen werden, was auf dem Tisch kam. Zum Glück war es damals wirklich was besonderes und auch sehr teuer, so daß es nur am Wochenende einen kompletten "Braten" gab. Aber Wurst und so mußte ich auch essen. War immer ein schlechter Esser. "Was soll nur aus der werden, wenn die nicht isst!" Hab hier schon mal unter dem Thread "Was war, bevor Ihr Vegetarier wurdet" oder so ähnlich, darüber geschrieben. Ich erinnere mich noch an die Buttermarken. Man war stolz, daß es wieder "gute Butter" gab. Meine Oma und Mutter, die grad den Krieg mit all seinen Entbehrungen hinter sich hatten, wollte ja nur das "Beste" für mich. Und selbst waren sie froh darüber, wieder die "echten" Sachen essen zu können, nachdem sie jahrelang trickreich aus vielerlei "Ersatzstoffen" Fleisch, Wurst usw. imitiert hatten. Südfrüchte gab es nur Weihnachten aus dem "Westpaket". Da wurde eine Apfelsine aufgeteilt und jeder bekam nur ein paar Spalten! Aufs Schulbrot gabs oft "Speckfett", daß meine Oma selbst ausgelassen hatten. :eek: Ohne "Kriefen" konnt ichs essen...
Als ich dann selbst für mich sorgen konnte, hab ich dann nur noch gegessen, was mir schmeckt :D Da gabs keine Wurst mehr und kein samstägliches Schlangestehen vor der Fleischerei. Irgendwie hab ich mich immer geekelt, wenn ich die blutigen Fleischstücke auf der Theke liegen sah - hab dann immer ein lebendes Schwein oder eine Kuh vor mir gesehen. Der Gedanke, daß das Tier dann abgestochen werden mußte, war mir so zuwider. Außer Geflügel hab ich kein Fleisch mehr gegessen. Mitte der 70er, da kannte ich meinen Mann schon, entschloß ich mich, ganz auf Fleisch zu verzichten. Da ich immer bissel kränkelte, war die Reaktion meine Mutter Besorgnis. Man war felsenfest davon überzeugt, daß man ohne Fleischkonsum an Mangel aller Art krank werden würde! Als ich wärend der Schwangerschaft nicht mal Fleisch aß und keine Milch trank, wurde ich als verantwortungslos hingestellt. Zum Erstaunen aller hab ich dann aber so viel Milch gehabt, daß ich sogar welche abgeben konnte!!! Aber es war wirkllich nicht einfach in der ehemaligen DDR. Nach den Sachen, die ich lecker fand (z.B. Erdbeeren oder Wassermelonen) mußte man, wenn sie mal angeboten wurden, stundenlang anstehen. Aber wir hatten damals auch gute Freunde. Wenns irgendwo was gab, funktionierte der "Buschfunk". Als es mal wochenlang keinen Reis gab (eine Katastrophe für uns - ein Asiate ohne Reis!!) schleppte fast jeder von irgendwoher (z.B. aus Berlin) Reis für uns an. Wir hatten dann einen riesigen Vorrat! In den Gemüseläden gab es vor allem Kohl und Möhren und andere einheimische Sorten. Durch meinen Mann lernte ich ja die leckere asiatische Küche kennen.
Gebratener Weißkohl mit entsprechenden Gewürzen und Reis dazu ist ganz köstlich!
Da mein Mann in Westberlin studiert hatte und nur mir zuliebe in die DDR kam, wollte er natürlich gern mit mir und mittlerweile 2 Kindern nach Westberlin zurück. Auch in dieser Hinsicht hatten wirs nicht einfach. War schon seltsam - mein Mann, ein in Westberlin studierter Asiate siedelt in die DDR über um eine DDR-Bürgerin zu heiraten - darüber könnt ich auch ein Buch schreiben!
Als wir jedenfalls Anfang der 80er unser Ziel erreicht hatten und in Westberlin ankamen, da entfaltete sich vor mir das Vegetarier-Paradies!!! Ich hab so viel Obst gegessen, daß ist schon nicht mehr feierlich! Da wurde es ganz plötzlich sooo einfach, vegetarisch zu leben! Tofu, Tempe, Gemüse und Obst aus aller Herren Länder! Toll! Natürlich hab ich auch Quark und Joghurt gegessen, aber nicht viel. Eier mochte ich gern, war auch immer der Meinung, daß man sie beruhigt essen kann, wenn man freilaufende kauft. Durch ein Video, indem die Zerschredderung männlicher Küken dokumentiert wurde, hats mir komplett den Appetit zerschlagen. Und nun bin ich, Dank Euch, noch zur Veganerin geworden! Der Gedanke kam mir aber auch schon früher, es ging alles so nach und nach... bin halt ein Spätzünder. Aber den letzten Schritt dazu hab ich wirklich mit Eurer Hilfe getan. Ich hab Euch alle so bewundert, daß Ihr in Euren jungen Jahren Euch schon solche Gedanken macht - Respekt-wirklich. Da werd ich doch wohl auch auf meine Milchschokolade und Kuchen usw. verzichten können! Dann wars plötzlich ganz leicht. Und ich fühl mich auch leicht! Komischerweise bin ich, seitdem wir in Berlin leben, viel gesünder als vorher!
So, nun hab ich tatsächlich viiiiel gequatscht. War ja fast meine ganze Lebensgeschichte :p
Nun will ich aber auch Eure Geschichten lesen - das ist nur fair - auch wenn sie altersbedingt noch nicht so lang sind!
Liebe Grüße von Sonny
Ich hab Euch alle so bewundert, daß Ihr in Euren jungen Jahren Euch schon solche Gedanken macht - Respekt-wirklich.
Du ahnst gar nicht, wie sehr ich dich bewundere, sonny, denn meiner Meinung nach ist es sehr viel "schwieriger" Veganer zu werden, je älter man ist. Ich habe mir inzwischen angewöhnt, bei Leuten ab einem gewissen Alter gar nicht mehr zu diskutieren, weil es absolut zwecklos ist. Da bricht immer voll das Motto "Habe ich schon immer gemacht und hat nicht geschadet, dann werde ich das auch jetzt nicht ändern" durch. Deshalb kann ich wirklich nur ein ganzes Hutgeschäft vor dir ziehen, daß du nicht so stagnierst und dich immer weiter entwickelst und einfach offen für neue Anregungen geblieben bist. Das ist einfach großartig!!!:) Bei meiner Mutter (Jahrgang 1946) kann ich z. B. davon nur träumen, die sagte mir jetzt sogar, daß sie es toll findet, was ich da mache, aber selber (O-Zitat: ) "keine neuen Kunststücke in ihrem Alter mehr lernen kann und will"...:(
Du ahnst gar nicht, wie sehr ich dich bewundere, sonny, denn meiner Meinung nach ist es sehr viel "schwieriger" Veganer zu werden, je älter man ist.
Dem schliesse ich mich vollumfänglich an :) Aber auch vor Euch so jungen Leute ziehe ich meinen Hut... in Eurem Alter hatte ich ganz andere Dinge als Veg*ismus im Kopf, und manchmal schäme ich mich, dass ich so lange gebraucht habe, um endlich klar zu sehen.
@Sonny
Tolle Love-Story *schwärm* ;)
Spirit.Sweet
29.10.2006, 15:09
Hey liebe Sonny, ich finde deine Geschichte auch toll. Da solltest du echt mal ein Buch drüber schreiben. ;)
Ich bewundere dich auch mehr, denn damals war das ja noch viel schwerer sich gegen die Welt zu stellen und Vegetarier zu sein. Das verdient auch höchsten Respekt.
lg Dani
Liebe Sonny,
entschuldige die verzögerte Antwort. Ich hatte in letzter Zeit sehr viel Stress und wollte mir die Zeit nehmen deine Geschichte mit großer Sorgfalt zu lesen.
Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen: Deine Geschichte ist fantastisch. Dich als vegetarische Mutter durchzusetzten trotz den üblen Nachreden finde ich stark =). Auch dein Durchhaltevermögen bei dem einseitigen Sortiment an Obst und Gemüse ist bewundernswert. Aber die größte Überraschung ist doch immernoch der letzte Wandel: Veganismus. Dass du dich trotz der langen Zeit als Vegetarierin dazu entschlossen hast deine Ernährung nochmals zu überdenken und zu verbessern ist einen Oscar wert :) . Gerade durch solche Entscheidungen kannst du die gängige Meinung über die Menschen in deinem Alter ändern. Ich dachte auch immer je älter man wird, desto eingefahrener ist man in seiner Meinung.
Ich denke selbst als Veganer darf man sich nicht "einrasten" sondern immer bereit sein seine Ernährung den Tierrechten anzupassen.
Du willst also meine Lebensgeschichte hören? Ok, hier kommt sie :D.
Mein besonderes Interesse für Tiere hat sich in den ersten Lebensjahren ausgeprägt. Wir hatten schon immer Katzen, dann hatte ich ein paar Nagetiere, jetzt wieder einen Kater. Mit Tieren bin ich aufgewachsen und habe gelernt Verantwortung für sie zu übernehmen. Während ich so vor mich hingegessen habe kam mir der Gedanke, wie schlecht es ist Tiere zu essen. Für ein paar Tage lebte ich in verschiedenen Lebensjahren vegetarisch, aber als es einen Braten gab, habe ich meinen Gelüsten nachgegeben. Ein schlechtes Gefühl blieb trotzdem im Hinterkopf.
Mit 15 interessierte ich mich verstärkt für Tierschutz und habe zusammen mit meinem damaligen Freund Geld an den dt. Tierschutzbund gespendet. Nach einem Dokufilm über Masthähnchen verging mir der Appetit auf Fleisch, doch schon nach einer Woche begann ich wieder es zu essen. Mir fehlte der Kontakt zu Vegetariern, in meinem Umfeld gab es keine. Nach der Dokumentation über Tiertransporte "Endstation Beirut" beschloss ich nur noch Biofleisch aus der Region zu essen. Hier bleib ich standhaft. Wir kauften oft beim Bio-Metzger ein. Nachdem ich mich zig mal rechtfertigen musste warum ich denn nur Bio-Fleisch esse (der Grund war die bessere Haltung + keine Transporte) kam immer öfter der Spruch: "Ja die Tiere müssen sowieso wegen dir sterben".
Meine Mutter hat mir zwar immernoch Wurst aus der Metzgerei mitgebracht, aber bei jedem Bissen wurde mir übel und ich hatte das Gefühl den Tieren Unrecht zu tun. So wurde ich Pesce-Vegetarierin. Fisch wurde nach kurzer Zeit auch vom Speiseplan gestrichten. Als ich etwa 4 Monate vegetarisch lebte habe ich beschlossen mich einer Community anzuschließen.
So trudelte ich hier ein und traf auf Johannes und Kilian mit denen ich mich lange und ausgiebig über Kälber und Küken unterhalten habe. Ich mied Milch immer öfter und auch Eier wurden mir zuwider. Als ich mir das Tierrechtskochbuch von Maqi ausgedruckt habe gab es mir mich keinen vernünftigen Grund mehr nicht vegan zu leben. Es ist gesund, vielseitig und tierfreundlich. Besser ging es nicht.
In dieser Zeit bin ich auf viel Missgunst meiner Mitmenschen gestoßen, aber ich habe meine Entscheidung niemals angezweifelt. Ich brauche dir kaum zu sagen, dass es mir verdammt leicht fällt mich vegan zu ernähren bei der riesigen Auswahl an Obst, Gemüse, Pilzen, Hülsenfrüchten und Fleisch- und Milchersatz.
Das erfreulichste Backerlebnis war vor kurzem an meinem Geburtstag. Meine Mutter und ich haben eine "Sahne"torte gebacken und es gab sehr gutes Feedback. Ich hätte nie gedacht dass vegane Sahne so lecker sein kann, überhaupt der ganze Kuchen. Die meisten haben wohl nicht mehr daran gedacht dass ich auch keine Sahne esse und waren erstaunt, als ich ihnen erzählt habe dass die Torte rein pflanzlich war.
Wenn ihr wollt kann ich das Rezept hier reinposten (weil es nicht meins ist mit Quellenangabe).
An den Dt. Tierschutzbund spende ich keinen Cent mehr. Jetzt bin ich passives Mitglied bei den Tierbefreiern (so nennen sich Mitglieder die die Organisation finanziell unterstützen). Die Städte, in denen sie aktiv sind, sind leider zu weit von mir entfernt.
Das Thema Tierrecht hat mein Leben seitdem ziemlich geprägt und ich würde gerne viel mehr tun als nur meine Ernährung umzustellen. In naher Zukunft werde ich den Führerschein haben und auf jeden Fall an Demos fahren, soweit sie in Baden-Württemberg sind. Es wäre mir ein großes Anliegen die Tierrechtsethik voranzutreiben, weswegen ich Philosophie studieren möchte. Auf jeden Fall muss das Thema unter die Leute gebracht werden.
Hallo an Alle - erst mal herzlichen Dank für Eure netten Reaktionen. Ich fürchtete nämlich schon, ich hätte doch bissel zu viel gequatscht....
Ich persönlich sehe keinen Grund, warum man nicht auch als älterer Mensch noch wandlungsfähig sein soll. Muß aber leider Rygels und Lenas Bemerkungen zustimmen, in meiner Altersklasse stoße ich auf sehr wenig Zustimmung. Ich hab schon sehr viel von jungen Leuten, vor allem auch von meinen Kindern, gelernt. Warum auch nicht? Im Gegenzug lernen sie auch was von mir.
Seitdem ich alles Tierische (soweit man die Möglichkeit dazu hat) weglasse, fühle ich mich richtig super - leicht einfach...glücklich.
Aber man sollte meinen "Letzten Schritt" auch nicht überbewerten, denn es fiel (fällt) mir nicht allzuschwer. Ein großer Milchtrinker war ich noch nie - und Sojajoghurt und Pudding schmecken mir viel besser als das Zeug aus Kuhmilch. Na gut, Quark und Eier und Käse fehlen mir - aber das ist nicht schlimm. Dafür kann ich mir mit gutem Gewissen in die Augen schauen. Das "Zutatenschauen" ist auch etwas anstrengend - aber dann esse ich eben nicht mehr soviel verarbeitete Produkte und backe selbst...
Als ich letztens ein Waschmittel auf unvegane Zutaten untersuchte, meinte mein Mann, jetzt würde ich wohl noch richtig durchdrehen...:rolleyes:
Aber Ihr alle hier, habt mir bei meiner Entscheidung geholfen! Die ersten, die mich zum Nachdenken brachten, ob ich nicht noch mehr tun könne, waren Spirit und Rygel.
Lena, Du hast Dich ja wirklich von Kindheit an mit dem Tierrecht beschäftigt. Es verdient wirklich Respekt, wenn man sich als so blutjunger Mensch mit dem Leiden seiner Mitgeschöpfe beschäftigt! Als Teenager hat man ja in der Regel andere Dinge im Kopf :D .
Daß Dich Videos letztendlich überzeugt haben, kann ich gut verstehen!
Deinen Studienwunsch finde ich gut - ich wünsche Dir, daß Du das alles auch umsetzen kannst. Vielleicht lese ich ja später mal ein Buch von Dir!
Das Tortenrezept würde ich sehr gern lesen. Und wenn es nicht unverschämt ist :D bitte bald! Habe nämlich am Wochenende meinen Sohn und seine Partnerin zu einem veganen Menü eingeladen!!! Eine Sahnetorte als Dessert wäre toll!
Die Tierbefreier bewundere ich sehr - zumal sie es sogar in Kauf nehmen, unter Umständen mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.
Liebe Grüße an Alle
Sonny
Hallo Sonny,
benutz am besten umweltfreundliche Haushaltsprodukte. Ecover hat ein großes Sortiment und ist zu unserem Vorteil auch noch vegan. So sparst du dir das Lesen der Inhaltsstoffe. Aber ist natürlich dir überlassen wie weit du deinen Haushalt vegan einrichtest.
Ich habe das Repezt soeben für dich unter "vegane Rezepte" gestellt.
Hier gehts auf direktem Wege hin: Himbeer-Schokotorte (http://www.vegetarierforum.com/showthread.php?p=8198#post8198)
Ich musste leider feststellen dass es sich mit raffiniertem Zucker besser backt als mit Rohrohrzucker.
Ich werde mich natürlich bemühen in meinem Beruf so viel Tierrecht wie möglich zu integrieren, versprechen kann ich aber nichts. Doch als ich in der aktuellen Tierrechtszeitschrift über Vorlesungen von verschiedenen Philosophen zum Thema Tierrecht gelesen habe kam es mir sehr realistisch vor sich dem Thema auch beruflich zu widmen.
So, ich hoffe dir gelingt die Torte auch so gut. :)
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