Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vegetarismus und Religion
blueberry
14.01.2008, 21:54
Hallo alle zusammen!
Vorweg: Ich hoffe, dass das Thema hier korrekt platziert ist, wenn nicht bitte ich vielmals um Entschuldigung. ;)
Dieses Unterforum erschien mir spontan das logischste, aber ich kann mich natürlich auch irren.
Nun mein Anliegen:
Im Religionsunterricht haben wir die letzten beiden Stunden die beiden unterschiedlichen Schöpfungsberichte durchgesprochen.
Dabei entstand letzte Stunde ungefähr folgendes Gespräch, soweit ich es mitbekommen habe (in eckigen Klammern meine Anmerkungen):
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Er [Vegetarier]: "Gott sprach: Da gebe ich euch alles samensäende Kraut, das auf dem Antlitz der Erde all ist, und alljeden Baum, daran samensäende Baumfrucht ist, euch sei es zum Essen, und allem Lebendigen der Erde, allem Vogel des Himmels, allem was auf Erden sich regt, darin lebendes Wesen ist, alles Grün des Krauts zum Essen."
Siehst du? Da steht nichts von wegen Tiere essen!
Sie [gläubige Christin]: [zuerst irritiert, dann kam die Erleuchtung] Ach so, du bist ja... [Konnte das böse V-Wort wohl nicht aussprechen... :D]
Ja ne!
[Sie wollte ihm nicht recht geben, infolgedessen haben sie zu diskutieren begonnen. Da sie sich nicht einigen konnten, haben sie schließlich die Lehrerin hinzugerufen.]
Er: Da steht doch bloß [Zitat siehe oben] und nichts von Fleisch essen!
Lehrerin: Hm. Gut, schau mal... [Hat irgendeine Erklärung abgegeben, die ich nicht gehört habe. Aber sie hat wohl ihr zugestimmt, denn als nächstes:]
Er: Ja, aber...
Sie: [unterbricht ihn] Siehst du, du bist doch böse! [Triumphierendes Grinsen dazu.]
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Heute hat die Lehrerin dann bei der Besprechung des Textes dieses Detail hervorgehoben und erwähnt, das er sie darauf hingewiesen hat. Aus irgendeinem Grunde fanden die versammelten Omnivoren das überaus amüsant und haben angesetzt von wegen "Ja, ja, der Spinner... lasst den reden.", was dann aber relativ schnell unterbunden wurde.
Abgesehen davon, dass ich "gläubiger Atheist" (:D) bin und die Aussagen der Bibel mich daher ohnehin nur sehr peripher tangieren, wie man so schön sagt, und ich zudem ein prinzipielles Problem mit der hier demonstrierten Autoritätsgläubigkeit/ Obrigkeitshörigkeit ("Die Lehrerin hat das gesagt, also ist das so") habe, konnte ich es nicht fassen.
(Auch die Tatsache, dass er mit dieser Argumentation eigentlich Veganer sein müsste, da Milch und Eier meines Wissens immer noch nicht auf Bäumen wachsen, sei hier mal ignoriert. :p)
Generell kann ich ja einiges nachvollziehen, auch wenn es nicht meinen eigenen Anschauungen entspricht, aber dieses Stück omnivorer/christlicher Logik entzieht sich nun völlig meinem Verständnis.
Kann mir das vielleicht jemand erklären?
Sonstige Kommentare-Anmerkungen? Besonders christliche Stimmen zu dem Thema würden mich interessieren...
LG von der verständnislosen Blaubeere. :confused:
christliche Logik?
omnivore Logik??
versuchs garnicht erst!
hier mal ne tolle PETA Seite zum Thema Christentum und Vegetarismus
http://www.jesusveg.de/jesuswarvegetarier.html
achja das mit der dich peripher tangierenden Bibel: Ich bin eigentlich sehr bibelfest, jedenfalls was den Teil angeht, den man im Reli-UR durchnimmt(die meisten Massenmorde im AT und die Neutestamentarische Erbsünde wird geflissentlich weggelassen) und ging mal ne Weile aufmerksam in die Kirche
Ich finde, dass sich die Menschen mit der Bibel befassen sollte, nichts ist entlarvender fürs Christentum als die Bibel und die Lehre vom Reich Gottes, die man mit Fug und Recht als rassistisch bezeichnen kann
Heute ist es leider so, dass die Menschen keine Ahnung haben, was in der Bibel steht/was das Christentum lehrt und trotzdem an diese Sche*ße glauben, soviel zum OT
blueberry
14.01.2008, 22:45
christliche Logik?
omnivore Logik??
versuchs garnicht erst!
Auch so ein Anti-Christ? :D
hier mal ne tolle PETA Seite zum Thema Christentum und Vegetarismus
Interessant. Nun ja, wenn jemand meint, so etwas wie Vegetarismus von irgendwelchen religiösen Lehren abhängig machen zu müssen, bitte.
achja das mit der dich peripher tangierenden Bibel: Ich bin eigentlich sehr bibelfest, jedenfalls was den Teil angeht, den man im Reli-UR durchnimmt(die meisten Massenmorde im AT und die Neutestamentarische Erbsünde wird geflissentlich weggelassen) und ging mal ne Weile aufmerksam in die Kirche
Das "lustige" an der ganzen Sache ist: Im Gegensatz zu diesen ganzen Leuten, die mit mir im Religionsunterricht sitzen und sich selbst als mehr oder minder gläubig bezeichnen, kenne ich mich tatsächlich halbwegs aus. Hatte wie wohl (fast?) jeder mal eine mehr-oder-minder-religiöse Phase, in der ich dann tatsächlich einen Versuch unternommen habe, die gesamte Bibel zu lesen. Frei nach dem Motto: "Wenn, dann richtig!" Zudem war ich der Meinung, dass das zu den Büchern gehört, die man gelesen haben sollte.
Aufmerksam in die Kirche bin ich allerdings nie gegangen.
Da ich ja explizit auch nach Meinungen von Christen zu dem Thema gefragt habe, werde ich mich jetzt mit Kommentaren dazu zurückhalten, nur so viel: Irgendwann habe ich es aufgegeben, da ich es ähnlich unterhaltsam fand wie Faust II. Wer jemals Faust II gelesen hat, weiß wohl worauf ich hinauswill... Ich sage nur "Klassische Walpurgisnacht" und "Relevanz bestimmter (der meisten) Details?!?".
Ich finde, dass sich die Menschen mit der Bibel befassen sollte, nichts ist entlarvender fürs Christentum als die Bibel und die Lehre vom Reich Gottes, die man mit Fug und Recht als rassistisch bezeichnen kann
In der Tat. Leute, die man mit ihren eigenen Argumenten widerlegen kann, sind durchaus amüsant. ;)
Heute ist es leider so, dass die Menschen keine Ahnung haben, was in der Bibel steht/was das Christentum lehrt und trotzdem an diese Sche*ße glauben, soviel zum OT
Allerdings. Siehe oben; Autoritätsgläubigkeit/ Obrigkeitshörigkeit bzw. Übernahme vorgegebener Werte ohne kritisches Hinterfragen...
Na ja,Bibel ist ja immer so ne Auslegungssache, mal Abgesehen davon das es das Meisterkaufteste aber auch ungelesenste (Märchen)Buch der Welt ist (Wobei die Massenmorde, Vergewaltigungen, Hinrichtungen und Massaker sogar Macher von Filmen wie SAW vor Neid Erblassen lassen würden). Klar steht das mit den Früchten der Erde drinnen und es wird mit keinem Wort Erwähnt das der Mensch andere Tiere Fressen soll, zumindest bis Noah und die Sintflut kam, dannach steht drin das wir Tiere Essen dürften, aber wie es so ist bei Geschichtsschreibung setzt sich Irgendwann eine Version gegen die anderen durch, also auch wieder Ansichtssache.
Nur ob Jesus Vegetarier war, da bin ich mir nicht so ganz Sicher, es steht nicht Klar drinnen das er es war, es steht nicht klar drinnen das er es nicht was, und dannn steht er auch noch imVerdacht nur Pesci-Vegetarier gewesen zu sein wenn man an die Sache mit der Vermehrung des Fisches Denkt (auch wenn hier wieder nicht klar steht ob er was davon gegessen hat oder eben nicht)
Am Besten einfach jeden Glauben Lassen was er Will, Predigen bringt bei den meisten Christen eh nicht viel, die sind schon so schön Festgefahren in der Auslegen die ihnen ihre Oberhäupter Vorgekaut Reinwürgen das sie gar nicht auf die Idee kommen Fragen zu stellen oder mal selbst das Hirn Einzuschalten. (*g* und nein, ich bin kein christen-Symphatisant *g*)
blueberry
14.01.2008, 22:56
Na ja,Bibel ist ja immer so ne Auslegungssache(
Richtig. Wobei mir unklar ist, was man an der zitierten Stelle großartig auslegen kann und wie des weiteren ein halbwegs intelligenter Mensch ernsthaft einen solchen ... Kommentar abgegeben kann wie es das Mädchen getan hat.
In den übrigen Punkten stimme ich dir zu, auch wenn ich es wohl weniger drastisch formuliert hätte. ;)
(*g* und nein, ich bin kein christen-Symphatisant *g*)
Wär ich ja jetzt niiieee drauf gekommen. :p
Nusskuche
14.01.2008, 23:08
Ich habe das für mich ganz einfach gelöst, ich bin halt ein Pragmatiker:
ich finde den Gedanken der Nächstenliebe im Christentum sehr schön.
Wer oder was der Nächste ist, entscheide aber ich :p , ob Kuh, Schaf, Ziege Hase oder Mensch, alle sind meine Nächsten.
Disclaimer: Ist ja heutzutage wohl nötig: ich bin kein Mitglied einer Glaubensgemeinschaft, und zahle auch keine Kirchensteuer, weder nach Rom noch nach Marktheidenfeld oder Brooklyn.
Das ist nicht gerade christlich, die gesamte jüdische Moral bezieht sich auf Mitjuden, wie man ja auch an der Auflistung von Massenmorden im AT sehen kann. Auch Jesus war Jude und das Gebot der Nächstenliebe gilt nur für Glaubensbrüder. Den Missionierungsgedanken hat meines Wissens erst Paulus eingeführt.
Jesus würde sich im Grab umdrehen.
Nusskuche
14.01.2008, 23:27
Jesus würde sich im Grab umdrehen.
Ich höre ihn rotieren. :)
das Gebot der Nächstenliebe gilt nur für Glaubensbrüder.
Falsch. Nicht umsonst wird im Judentum weder missioniert noch werden besonders gern Konvertiten aufgenommen. Für Juden sind die Nichtjuden einfach nur die, die sich nicht freiwillig den vielen göttlichen Gesetzen unterworfen haben. Solange sie sich an die zentralen 10 Gebote halten, sind sie aber nicht schlechter als die Juden selbst. Im Gegenteil, ihnen steht dann sogar ein Teil der "kommenden Welt" zu, d.h. sie können auch ins Paradies kommen. Das Judentum vertritt auch die Meinung, dass diejenigen Nichtjuden, die einen Platz im Paradies verdienen, sich unbewusst sowieso an die 10 Gebote halten werden.
Der Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden liegt einzig und allein in dem "Versprechen", das man als Jude direkt oder ererbt Gott gegeben hat, nämlich, dass man sich allen seinen Geboten unterwerfen wird, soweit man kann (und zwar wirklich kann, nicht so wie man Lust hat). Hat man dieses Versprechen gegeben und hält sich dann "nur" an die 10 zentralen Gebote, hat man seinen Platz verspielt, anders als ein Nichtjude, der ja von vornherein gar nicht in der Pflicht stand, alle Gebote zu erfüllen.
echt? woher weißt du das? kannst du noch mehr schreiben?
Selber Jüdin und ohne Ende immer wieder gehört, dass man uns zwar als "privilegiertes Volk" bezeichnet, das aber nur daran liegt, dass wir "blöd genug" waren, uns dem zu unterwerfen. Und dass man als Jude gefälligst seine Pflicht zu erfüllen hat und sowieso 10 Mal besser sein muss als alle anderen, damit sie einem nicht vorwerfen können, man würde sich darauf ausruhen, dass ein Irrer mal einen Teil der Familie gekillt hat.
Was willst du denn wissen?
ich weiß garnichts und entschuldige mich für mein halb-bis viertelwissen.
achja was ich wissen wollte, eigentlich nichts bestimmtes, allerdings weiß ich übers Judentum nichts außer ein paar Vorurteilen und dem, was im Alten Testament steht, und wüsste deshalb gerne mehr
Hey, du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen. Ich weiß ja auch so gut wie nichts über viele andere Religionen. Muss ja auch nicht jeder über alles Bescheid wissen, aber wenn es dich interessiert, erzähl ich dir gern was.
Mh, ich weiß bloß nicht, wo ich anfangen soll, ist ja ein weites Feld. Ich denke, dich interessieren eher weniger die theoretischen Grundlagen als das praktische Leben, oder?
mich interessiert an Religionen v.a. der Glaube an sich und die Ethik die evtl dahinter steht und die Auswirkungen aufs reale Leben, also eigentlich alles was interessant ist.
Ich wüsste zum Beispiel gerne ob es eine jüdische Ethik gibt, ob sie mit der christlichen vergleichbar(die "christliche" Ethik ist eine Illusion) ist, ob sie auf dem AT basiert, und was mit (gläubigen und ungläubigen)Menschen nach dem Tod passiert
Mh, eine jüdische Ethik in dem Sinne...das ist schwer zu beantworten. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was du mit christlicher Ethik meinst. Meinst du so was wie Nächstenliebe und die ganzen Gebote?
Wie im Christentum gibt es ja auch beim Judentum viele Strömungen. Ich bezieh mich hier mal auf ganz "normale", liberale Juden, denn mit den orthodoxen Spinnern will ich nichts zu tun haben, die haben ja nen Schatten. Und das Reformjudentum kommt mir irgendwie ein bisschen verwässert vor.
Also: Generell ist ja das Judentum eine Religion, die auf festen Strukturen beruht. Zu diesem Zweck gibt es die 613 Mitzwot (Gebote), unterteilt in 365 Verbote und 248 Gebote. Dabei sind dann so Sachen wie "Ruhen am Shabbat" oder sowas. Die Gebote kommen aus der Torah ("Altes Testament" - was übrigens kein Jude gern hört). Die Torah ist das "Kernstück" des Talmud.
Man hat quasi den religiösen Text und rundherum die Kommentare aller möglichen Rabbiner aus vielen Hunderten von Jahren. Das Judentum ist also eine Religion der Diskussion und man folgt nicht immer (!) allen Traditionen blind. Auch in den Rabbinerseminaren wird heute immer noch über den Talmud diskutiert und keiner fühlt sich da auf den religiösen Schlips getreten, wenn mal einer einen Aspekt in Frage stellt. Man wird dann auch nicht runtergemacht, sondern die Meinung wird als gleichwertig akzeptiert und mit dem Zweifler diskutiert (aber nicht missioniert).
Die Unterteilung in "Gläubige" und "Ungläubige" gibt es in dieser Form nicht. Eher die Unterscheidung zwischen gut und böse. Die Guten (gläubige Juden, die sich an die Mitzwot gehalten haben sowie Nichtjuden, die instinktiv die 10 Gebote befolgt haben) "werden einen Anteil am Himmelreich haben", wie man so schön sagt. Dabei gibt es verschiedene Strömungen: Die einen behaupten, dass Gott die Guten in der messianischen Zeit auch körperlich wieder auferstehen lassen wird, d.h. Seele und Körper sterben, werden aber wiederbelebt. Die anderen meinen, die Seele würde irgendwie weiter existieren, aber dieses andere Leben wäre dem jetzigen nicht unbedingt vorzuziehen, sondern halt ein anderes Stadium. In der alten Zeit gab es die Vorstellung mit den 4 Räumen in der Unterwelt. Einen für die abgrundtief Schlechten, einen für die, die im Herzen gut sind, aber Schlechtes getan haben (diese können dort Buße tun) und zwei für die Guten. Dort sollten sie warten bis Gott hinuntersteigt und die Seelen abholt.
Generell sind aber Buße und das Leben nach dem Tod für Juden nicht so zentrale Elemente wie im Christentum. Wir meinen nicht, dass man auf Teufel komm raus auf ein abstraktes, vielleicht besseres Leben nach dem Tod hinarbeiten sollte, sondern dass man versuchen muss, in dieser Welt möglichst viel zu erreichen.
Die Tierethik geht nicht über "koscheres Feleisch" hinaus und das Schlimmste ist die jüdische "Siedlungspolitik".
Sie wird nie und nimmer öffentlich angeprangert, weil man dann nicht nur das "Auserwählte Volk", sondern auch gleich noch die Mossad am Hals hat (wobei man auch noch als Antisemit abgestempelt wird).
Kritik unerwünscht.
Soviel zu jüdischer Ethik (welche der des Christentums in Vielem gleicht).
Na darauf hab ich ja gewartet...
Ja zur christlichen Ethik ... erst zimmert man sich eine zurecht, dann sucht man nach den entsprechenden Bibelzitaten ...oder man ließt die Bibel erst garnicht, beschimpft aber Nichtchristen als schlechte Menschen ...
und ja Thorah klingt auch besser, und den Talmud werd ich mir mal besorgen.
sind 613 Gebote nicht ein bisschen viel?^^
Die Leben-nach-dem-Tod Regelung gefällt mir soweit ganz gut, unser Pfarrer hat uns erzählt, beim Jüngsten Gericht kommen alle Christen ins Paradies (was mit den anderen passiert wurde verschwiegen aber ich kanns mir denken...)Ich wollte nach meiner Konfimation mal den Pfaffen fragen weil ich damals schon skeptisch war, aber dann war ich schon Atheist ...
@Schlunz die israelische Außenpolitik find ich zum ..., das gehört aber nicht hierher. Und das koschere Schlachten hat(te) vermutlich praktische Gründe
@Schlunz die israelische Außenpolitik find ich zum ..., das gehört aber nicht hierher.
Die von mir erwähnte "Siedlungspolitik" ist Innenpolitik. Es gibt kein Palästina.
Ich habe lediglich die ethischen Konsequenzen einer Religion, eines zur Sprache gekommenen Volks erwähnt und somit passt es zum Thema.
Und das koschere Schlachten hat(te) vermutlich praktische Gründe
"Hatte" is immer noch...
Praktische Gründe machen es allerdings auch nicht besser...
Bevor hier Unmut aufkommt: So ziemlich jede Religion hat sich ihre ethischen Hintertürchen eingebaut.
Ob Tiere, Frauen oder Kinder, irgendwer muss immer dran glauben und wenn der "Chef" das gesagt hat, wird es schon stimmen...
Dass die meisten Bücher zu Gunsten von Macht und Habgier umgeschrieben wurden, sollte jedem klar sein und somit ist nicht die Hälfte religiöser Schriften als nachahmenswert anzusehen.
Du sollst nicht töten!!!
Ausser Bisons, Ratten, Schweine, Rinder, Schafe, Elche, Hirsche, Haie, Hühner, Füchse, Wale...
@Schlunz: Es geht mir einfach ein bisschen auf die Nerven, dass Israel und Judentum ständig gleichgesetzt werden. Das ist in etwa so, als würde man hiesige Katholiken für die spanische Politik verantwortlich machen. Leider sehen das die wenigsten Leute und setzen Juden mit Israelis gleich. Du glaubst nicht, wie oft ich schon gefragt wurde, was ich denn von der Politik "meines" Landes halte. :rolleyes:
Ach ja, und ich wüsste gern ob du dich schon mal mit dem Judentum beschäftigt hast oder hier nur irgendwelche wilden Aussagen machst. So liest es sich nämlich.
@Grimnir: Ja, 613 Gebote sind definitiv viel, aber wie gesagt, als Jude ist man ja selbst Schuld.:D Nee, aber mal im Ernst. Manche sind einfach in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn es dich interessiert: Hier sind sie auf Englisch: http://www.jewfaq.org/613.htm
Du wirst sehen, dass manche eigentlich ganz klar sind und auch keiner großen Leistung bedürfen. Andere sind (zumindest in Deutschland) schwer zu befolgen, ich z.B. habe manchmal samstags Klausuren und kann nicht blau machen, weil das gegen meine Religion ist.
Zum Schächten: Heutzutage sicherlich überholt, aber früher hatte es einen Sinn. In der Wüste verdirbt Fleisch schnell, man braucht es aber zum leben. Je mehr Feuchtigkeit im Lebensmittel ist, desto schneller verdirbt es, weil es Bakterien eine Lebensgrundlage bietet. Durch das Ausbluten reduziert man schnell den Feuchtigkeitsgehalt und damit das anständig funktioniert, muss das Herz schlagen. Ich denke nicht, dass man Menschen vergangener Jahrhunderte dafür verurteilen sollte, aber heute ist das ganz klar überflüssig.
Macht aber auch nichts, denn sowohl in der europäischen jüdischen als auch (ganz besonders) in der israelischen Küche gibt es sehr viele leckere vegetarische und vegane Sachen und Fleisch spielt eher eine untergeordnete Rolle. Ich war zB. im Sommer dort und habe die ganzen zwei Wochen nicht ein Mal Fleisch gegessen.
@Schlunz: Es geht mir einfach ein bisschen auf die Nerven, dass Israel und Judentum ständig gleichgesetzt werden. Das ist in etwa so, als würde man hiesige Katholiken für die spanische Politik verantwortlich machen. Leider sehen das die wenigsten Leute und setzen Juden mit Israelis gleich. Du glaubst nicht, wie oft ich schon gefragt wurde, was ich denn von der Politik "meines" Landes halte. :rolleyes:
Ach ja, und ich wüsste gern ob du dich schon mal mit dem Judentum beschäftigt hast oder hier nur irgendwelche wilden Aussagen machst. So liest es sich nämlich.
Das ist leider nicht so abwegig, den Katholizismus verantwortlich zu machen. Immerhin ist der Papst nach wie vor "unfehlbar" und das Oberhaupt der (röm-kath. und nach seinem Verständnis der einzig wahren)Kirche.
Und eben dieser Papst ist gegen Abtreibung, war bei der HJ
(ja ich weiß das waren damals alle und es war normal, aber man sollte sich auch mal überlegen, was dazu geführt hat, dass es "normal" war und man sollte sich überlegen, wie es überhaupt soweit kommen konnte. vor allem sollte man sich aber überlegen, was sich seitdem geändert hat!!:mad:), verbietet Verhütung, hetzt gegen Homosexuelle und verteidigt den Franquismus!
Er gibt teilw. sogar der Regierung bzw den "bürgerlichen" erzkatholischen Parteien Schützenhilfe, seine lokalen Kirchenvertreter sowieso.
Jeder Katholik der sich als solcher bezeichnet erkennt somit den Papst und seine Politik an
Ich spreche hier aber nicht vom Papst, sondern vom spanischen Parlament. Ein deutscher Katholik kann nichts dafür, wenn die Spanier versuchen, die Katalanen unter ihrer Kontrolle zu halten. Das sind zwei völlig unterschiedliche Sachen. Und es hat nichts mit der Religion zu tun, obwohl man das denken könnte, denn Spanien ist ja schließlich ein katholisches Land. Ebenso wenig habe ich als deutsche Jüdin was mit der israelischen Politik zu tun, nur weil ich Jüdin bin. Im Übrigen ist Abtreibung in Spanien nicht völlig verboten.;)
Nehmen wir vielleicht ein anderes Beispiel, denn im Judentum gibt es ja keinen Papst oder obersten Führer in dem Sinne.
Ebenso wenig habe ich als deutsche Jüdin was mit der israelischen Politik zu tun, nur weil ich Jüdin bin.
Ich hab Dich auch gar nicht persönlich angegriffen.
Es ging in meinem Post klar hervor, dass ich mich auf die religiöse Prägung einer Kultur und ihrer daraus folgenden Politik und Ethik beziehe, nicht auf entnische Herkunft.
Und auch ich habe als Deutscher nichts mit der Kirche am Hut, bin aber dennoch in einer christlich geprägten Gesellschaft mit diesen Werten konfontiert.
Der IMPERATOR (http://bp1.blogger.com/_WbDHrrz6GQo/Ry-utrFSDeI/AAAAAAAAAZA/5hu8IaHtJMs/s1600-h/ratzinger-palpatine-727057.jpg) ist Deutscher...
oh mein Gott ich habs schon immer gewusst ...
@Schlunz: Ich weiß schon, was du meinst, aber das ist halt in diesem Fall nicht zutreffend. Ja, es ist eine jüdisch geprägte Gesellschaft in Israel, aber das Judentum an sich missioniert weder noch erobert sie. Eher wird sie erobert oder missioniert. Die Siedlungspolitik beruht meiner Meinung nach weniger auf der jüdischen Religion als auf der europäischen Kultur, die immer den Anspruch hat, besser zu sein als alle anderen und anderen ihren Stempel aufdrücken zu können. Das sieht man schon daran, dass auch vor der Gründung Israels Juden dort lebten, sie aber hervorragend mit den anderen Stämmen in der Region zurechtkamen.
Die Siedlungspolitik beruht meiner Meinung nach weniger auf der jüdischen Religion als auf der europäischen Kultur, die immer den Anspruch hat, besser zu sein als alle anderen und anderen ihren Stempel aufdrücken zu können.
Hmm... Eine ideologische Vermischung kann ich mir gut vorstellen...
Global gesehen hat die westeuröpäisch-kirchlich geprägte Kultur den größten "Kollateralschaden" zu verantworten.
Shabbat" oder sowas. Die Gebote kommen aus der Torah ("Altes Testament" - was übrigens kein Jude gern hört). Die Torah ist das "Kernstück" des Talmud.
Also was ist denn jetzt der Unterschied zwischen Torah und "christlichem" Altem Testament? Oder ist das das gleiche?
Ja, das ist das gleiche. Es sind die fünf Bücher Mose. Die 613 Gebote stehen da alle versteckt drin und wurden dann für den Talmud "herausgefiltert".
messiaen
01.02.2008, 00:21
Das ist leider nicht so abwegig, den Katholizismus verantwortlich zu machen. Immerhin ist der Papst nach wie vor "unfehlbar" und das Oberhaupt der (röm-kath. und nach seinem Verständnis der einzig wahren)Kirche.
Und eben dieser Papst ist gegen Abtreibung, war bei der HJ
(ja ich weiß das waren damals alle und es war normal, aber man sollte sich auch mal überlegen, was dazu geführt hat, dass es "normal" war und man sollte sich überlegen, wie es überhaupt soweit kommen konnte. vor allem sollte man sich aber überlegen, was sich seitdem geändert hat!!:mad:), verbietet Verhütung, hetzt gegen Homosexuelle und verteidigt den Franquismus!
Er gibt teilw. sogar der Regierung bzw den "bürgerlichen" erzkatholischen Parteien Schützenhilfe, seine lokalen Kirchenvertreter sowieso.
Jeder Katholik der sich als solcher bezeichnet erkennt somit den Papst und seine Politik an
die lehrunfehlbarkeit heisst aber nicht, dass der papst an sich "unfehlbar" wäre, sondern dass er in bestimmten theologischen diskussionen das "schlußwort" setzen kann und von dieser "unfehlbarkeit" wurde in der gesamten kirchengeschichte nur EINMAL gebrauch gemacht, als es zum dogma erklärt wurde, dass die jungfrau maria sofort nach ihrem tod direkt in den himmel gefahren sein.
ausserdem gibt es auch innerhalb der katholischen kirche kontroverse diskussionen zu den themen, die du angesprochen hast, da ist nicht immer alles so schwarz-weiß.
beispiel:
Hermann Kügler, 53, lebt in München. Er ist seit 25 Jahren katholischer Priester und gehört dem Orden der Jesuiten an.
Die scharfe Ablehnung der Homosexualität in der Bibel geht von Voraussetzungen aus, die man im historischen Kontext des alten Orients sehen muss. In der Bibel werden Homosexuelle eigentlich als Heterosexuelle gesehen, die sich aus perversen Neigungen homosexuell verhalten. Das wird abgelehnt. Doch genetisch bedingte Homosexualität kennt die Bibel nicht. Leuten wie Kardinal Meisner würde ich raten, exegetisch und hermeneutisch etwas genauer hinzuschauen.
SPIEGEL ONLINE: Dann müssten die höchsten theologischen Gremien in Rom in die exegetische Nachhilfe. Denn Kardinal Meisner lehrt, was in Rom geteilt wird.
Kügler: Die katholische Kirche ist ein feudalistisches System. Es gibt einen herrschenden und einen beherrschten Stand. Und der herrschende lässt nur solche Leute rein, die genehm sind.
SPIEGEL ONLINE: Sie beschreiben die katholische Kirche, der sie selbst als Ordensmann angehören.
Kügler: Ich bin katholischer Priester, und ich liebe meine Kirche. Dennoch darf ich ihre Grenzen und ihre Schattenseiten klar benennen.
SPIEGEL ONLINE: Fürchten Sie keine Sanktionen?
Kügler: Nein, denn ich unterscheide klar zwischen einer Meinungsäußerung und einem Argument. Und es muss in der Kirche möglich sein, mit Argumenten zu streiten.
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,386709,00.html
SPIEGEL ONLINE: Fürchten Sie keine Sanktionen?
Kügler: Nein, denn ich unterscheide klar zwischen einer Meinungsäußerung und einem Argument. Und es muss in der Kirche möglich sein, mit Argumenten zu streiten.
Bleibt fraglich, dass man das in Rom genauso sieht...
messiaen
01.02.2008, 03:15
Bleibt fraglich, dass man das in Rom genauso sieht...
na, hoffentlich!
übrigens: eugen drewermann GROSSARTIGER christlicher theologe (leider im streit mit rom "unterlegen" - aber darauf will ich ejtzt nicht hinaus)
von ihm gibt es WUNDERVOLLE zitate. ich liebe vorallem seine sprache :)
"Solange Menschen Tiere noch töten, da werden sie auch Kriege führen.
Solange Menschen Tiere noch essen, da werden sie ihre unschuldigsten Opfer bis zum Tode quälen: zu Hunderttausenden in den Labors und den "Zuchtanstalten", zu Millionen in den Schlachthöfen, zu Myriaden in allen Meeren der Welt. Ihr Blutstrom aber darf nicht mehr länger als Nahrung dienen, ihr Leib nicht mehr länger als Rohstoff, ihr Leben nicht länger mehr als Lebensmittel für uns Menschen.
Verbiete uns, HERR, das tägliche Fleisch. Das tägliche Brot gib uns heute."
Wow!
Was für ein Satz...
Noch paar schöne:
Was ich glaube, ist, dass wir von Gott wieder sehr leise reden müssen. Ich glaube, überall, wo Menschen weitergehen, obwohl sie gar nicht können, in der Hoffnung, irgend etwas komme noch, berühren sie die Wand der Ewigkeit. Und was dann zu ihnen redet, ist nicht Erdbeben, Donner und Blitz, sondern die Stimme eines verschwebenden Schweigens.
Der Krieg aber ist die ewige Täuschung, dem Guten durch Böses, dem Leben durch Töten und der Gerechtigkeit durch Gewalt dienen zu können; er ist die Anmassung, dass just wir es wären, die immer schon wüssten, wie andere ihre Konflikte zu lösen hätten; und er ist die Illusion. die Besserung der Welt gehe hervor aus der Detonation der «richtigen» Bomben zur «richtigen» Zeit. So ist es unter diesen Umständen überaus wichtig, jetzt und für alle Zeit eine alte Wahrheit wieder zu lernen:
Mit Gewalt dient man nicht der Gerechtigkeit,
mit Krieg dient man nicht dem Frieden und
mit dem Töten von Menschen dient man niemals dem Leben.
Amen! :D
Hampster
02.02.2008, 23:48
http://www.site4free.tk/users/pattihome/?url=48669&userid=
http://www.vegetarierbund.de/nv/dv/dv_1985_6__Weltreligionen_und_Vegetarismus,_Der_un iversale_geistige_Pfad,_Andreas_Hoeschen.htm
http://veggie.utopiax.org/religionen3.html
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