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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Jeder ist seines Glückes Schmied


Rahijana
04.01.2008, 11:35
Was mich persönlich bei Mc Donalds stört istfolgendes. Sie bezahlen ihnen keine Überstunden, auch wenn diese weit über ihre geregelte Arbeitszeit hinaus gehen. Durch die starke Unterbesetzung von den Restaurants sind die Angestellten dazu gezwungen schnell und hart zu arbeiten, was eine bevorzugte und weit verbreitete Praxis ist. Viele ihrer beschäftigten sind entweder verdammt jung oder finden woanders keine Arbeit, so dasz sie gezwungen sind diese Ausbeute zu akzeptieren. Wenn sich einmal Leute finden, die sich in einer Gewerkschaft zusammenschlieszen, werden sie gefeuert oder gar nicht erst eingestellt. Auch Betriebsräte werden nicht geduldet.

Und nicht nur die Ausbeutung durch schlechte Bezahlung und dergleichen nervt mich, sondern auch, dass siebdurch den Futteranbau ihrer Rinder die dortigen menschen ausnutzen. Sie siedeln Ureinwohner um, sie kaufen Land und Grund für viel zu wenig Geld und nehmen vielen menschen in der dritten Welt so die Grundlage um sich eine langfristige Existenz aufzubauen. Auch das ist Ausbeutung der Menschen, von Natur (Regenwaldabholzung) und Tier braucht man wohl nicht weiter sprechen.

Auch der ganze Verpackungsmüll dort geht mir irgendwie gegen den Strich. Alles für mich Grümnde dort nicht zu kaufen.

Zum Thema= Jeder ist seines Glückes schmied, möchte ich noch kurz sagen, dass manche Menschen keine Wahl haben. Kündigen? Dann bekommt man nicht einmal Arbeitslosengeld. Frauen, die von ihren Männern während der Schwangerschaft verlassen wurden haben vielleicht nie die Chance gehabt ihr Leben noch umzubiegen und sind irgendwann so im Strudel von Demotivation und Chaos, dass sie zu Ohnmächtig sind um etwas zu verändern.

Vielleicht passt die Schulbildung nicht, weil die Eltern Alkoholiker waren und das Kind andere Sorgen hatte, als gute Noten. Vielleicht sind sie vom Vater / Mutter missbraucht worden und befinden sich immer noch in einer Opferrolle und finden den Weg nicht raus, haben Angst sich Hilfe zu holen.

Sicher ist jeder seines Glückes Schmied, aber nicht immer findet man die schmiede alleine. Einige Menschen brauchen jemanden, der ihnen zeigt, wo die Schmiede ist.

CodyMaverick
04.01.2008, 12:01
Das war der beste Post, den ich hier jemals gesehen hab *Träne wegwisch*

samito
04.01.2008, 12:37
McDreck, BurgerKing und KFC, die ganzen Betriebe stinken doch bis zum Himmel nach Ausbeutung von Mensch und Tier,
wer das unterstützen will soll es machen, aber die Ausrede, das ist ja nur so in dritte Welt Länder, ist ja wohl mehr als kümmerlich, auch wenn das wirklich "nur" dort der Fall wäre.

"Wir" argumentieren ja auch damit, dass für die Fleischproduktion der Regenwald abgeholzt wird. Tatsache ist aber, dass bei uns größtenteils Fleisch aus Österreich verkauft wird und Regenwald haben wir keinen.
Trotzdem ist es sinnvoll, global zu denken.
Eins ist jedenfalls sicher: wenn ich in Österreich oder Deutschland einen Burger kaufe, unterstütze ich den gleichen Verein, der in der dritten Welt Menschen ausbeutet und Regenwälder für seine Rinderherden abholzt. Auch wenn das Laberl in meinem Burger das AMA Gütesiegel hat und die Frau, die mich bedient, eh den Mindestlohn bekommt.

Ich kenn einen, der arbeitet für 3,63 die Stunde bei einem Fahrradbotendienst (anstrengende körperliche Arbeit). Kann man auch sagen "müsste er ja nicht, er wird nicht dazu gezwungen". Aber hat man eine andere Wahl, wenn man nichts zu Fressen hat?

mango
04.01.2008, 14:17
Sicher ist jeder seines Glückes Schmied, aber nicht immer findet man die schmiede alleine. Einige Menschen brauchen jemanden, der ihnen zeigt, wo die Schmiede ist.

Das habe ich nicht ausgeschlossen. Diese Hilfe muss man auch annehmen, womit man wieder selbst der Schmied ist ;)

Und anonsten stimme ich dir ja zu. Aber selbst Menschen mit schweren Schicksalschlägen können viel erreichen, oder jene Schicksalsschläge machen sie sogar stärker und/oder bringen sie dazu, sich aufzurappen.

Und Frauen die verlassen wurden in der Schwangerschaft und dann keinen Weg finden... Also das finde ich dann schon etwas schade... Der Mann ist doch bitte sehr nicht für die Eigenständigkeit der Frau zuständig?!

So, jetzt muss ich Essen machen, laut heutigem Lernplan ;)


[Edit] Vllt. noch als Anmerkung, ich stelle nicht in Frage, dass es für den einen sehr schwer gar fast unmöglich ist "sein Glück zu schmieden", sondern ich möchte lediglich aussagen, dass die Möglichkeit grundsätzlich (in Deutschland) besteht. In Afrika sieht das auch wieder anders aus...

sbiene802
04.01.2008, 14:56
Das habe ich nicht ausgeschlossen. Diese Hilfe muss man auch annehmen, womit man wieder selbst der Schmied ist ;)

Und anonsten stimme ich dir ja zu. Aber selbst Menschen mit schweren Schicksalschlägen können viel erreichen, oder jene Schicksalsschläge machen sie sogar stärker und/oder bringen sie dazu, sich aufzurappen.


Oh, genau deshalb liebe ich Psychologen so. Die sitzen da mit ihrer Ausbildung, ihren Büchern und reden furchtbar schlau ... über Menschen, in deren Haut sie nie gesteckt haben, deren Schicksal sie sich vielleicht vorstellen können, aber es dennoch nur aus dem Lehrbuch kennen.

Es gibt leider Menschen, die nie eine Chance bekommen haben und mit Sicherheit nicht selbst Schuld sind.

sbiene802
04.01.2008, 14:58
Und Frauen die verlassen wurden in der Schwangerschaft und dann keinen Weg finden... Also das finde ich dann schon etwas schade... Der Mann ist doch bitte sehr nicht für die Eigenständigkeit der Frau zuständig?!


Boah und das ist ja wohl der Hammer ... aus dem Munde einer Frau, die keine Kinder hat.

Lena
04.01.2008, 15:09
@ Rahijana: Sehr gutes Posting, ich wette es gibt viele Recherchen zum Thema McDonalds und es wurde viel Mist aufgedeckt... Nur was meint ihr warum man diese Dinge nicht bei Google findet ;) ?

So hat McDonalds sogar Gewerkschafter ermorden lassen wie ich mitbekommen habe. Ich kann dieser Quelle tiefer nachgehen, nachfragen. Wer braucht Quellenangaben?

mango
04.01.2008, 15:11
:rolleyes:

Oh man... Was erzählsten du?

Das liebe ich an Leuten so, die wissen dass man Psych studiert. Darauf schiebt man dann alles.

Was bitte sehr weißt du von mir und meinem Leben???

Und meine Mom ist mit meiner Schwester und mir alleinerziehend, und auch klar gekommen! Hat nie rumgeheult! Also bitte, ruh Dich doch auf aus "Ich kann nichts ändern, ich armes kleines Ding...". Aber kannst auch mal genau lesen was ich meine... Würde helfen. Aber vor allem musste nichts auf mein Studium schieben, das ist echt schwach!

mango
04.01.2008, 15:11
@ Lena, ich interessiere mich dafür! :)

magica
04.01.2008, 15:15
Oh, genau deshalb liebe ich Psychologen so
Ich sehe es wie mango, habe aber nix mit Psychologie zu tun :D

Es gibt leider Menschen, die nie eine Chance bekommen haben und mit Sicherheit nicht selbst Schuld sind.
Ja, stimmt. Es gibt Menschen, die haben ein beschissenes Leben gehabt, keine Chance bekommen und schaffen es nicht, ohne Hilfe rauszukommen.
Von denen redet doch eigentlich keiner

Und sind jetzt alle Leute, die ohne Ausbildung sind, solche armen Opfer?
Alle Mitarbeiter von McDonalds sind chancenlose Menschen, die hart vom Schicksal getroffen werden?

Es gibt sicher zu viele Menschen, die so ein Schicksal haben. Aber trotz der psychischen Probleme ziehen sie den "Job" (sei es Schule, Ausbildung, Arbeit) eben durch.

Und genauso gibt es auch sehr sehr viele, die einfach durch eigene Schuld da so einen miesen Job machen müssen.

Ich kenne einige Leute, die ihr Studium nach Jahren geschmissen haben. Sie sind heute deutlich über 30 und haben als einzigen Abschluss nur ein Abitur. Keine Lehre, nichts, weil sie direkt mit der Uni begonnen hatten.

Und wenn man fragt, dann sind es immer äußere Umstände
Schwere Zeit, Krankheit in der Familie, Todesfälle in der Familie, ich habe geheiratet, ich hatte eine Krise, ich habe ein Kind bekommen ... IRGENDWELCHE Gründe haben sie immer.
Aber komischerweise hatten sie dann aber immer noch Zeit, jede Party mitzunehmen, ins Kino zu gehen, in der Stadt abzuhängen.
Für den Spaß waren sie nicht zu deprimiert, für die Uni aber schon.
Über solche Leute motze ich.

Außerdem was erwartet man?
Bei McDoof macht man einen Job, dafür braucht man nicht sehr viele Kriterien.
Soll man da Akademikergehalte bezahlen?
Dort kann ich einfach hingehen und arbeiten. Ohne große Vorbereitung.

Für andere Jobs habe ich aber vielleicht vorher Jahre in der Schule geackert, um Abi zu machen. Jahre an der Uni gearbeitet, um den Abschluss zu bekommen. Das kostet nicht nur Lebenszeit, das kostet auch ne Menge Geld und Kraft. Das ist dann eine Investition in den Beruf. Dass ich DANN auch mehr verdiene, ist doch dann nur fair. Es geht ja nicht um die reine Tätigkeit, die ich in DEM einzelnen Augenblick ausführe. Sondern um das, was ich vorher schon reinstecken musste und um die Verantwortung, die mir dann noch aufgebürdet wird.

Überstunden - und dann noch unbezahlt - das kenne ich von vielen anderen "guten" Berufen auch. Als ich gearbeitet habe, war das für mich absolut normal. Arbeitszeiten haben keinen interessiert. Ich musste meinen Job erledigen und hatte dafür Fristen. Und wenn ich dafür abends zuhause oder am Wochenende hocken oder einen Urlaub abblasen musste!

Lena
04.01.2008, 15:15
Ok ich habe das in einer Tierrechtszeitschrift als Randbemerkung gelesen. So werde ich wohl die Autorin des Artikels anschreiben und sie fragen. *gleich mal mach* ^^

Rahijana
04.01.2008, 15:17
Ich war mal so frei zu diesem Thema einen extra Fred zu öffnen..mit Mc Donalds hats ja irgendwie nicht mehr wirklich was zu tun *gg*

Das habe ich nicht ausgeschlossen. Diese Hilfe muss man auch annehmen, womit man wieder selbst der Schmied ist ;)

Es ist gar nicht so einfach Hilfe anzunehmen in der heutigen Zeit. menschen müssen stark sein, Menschen müssen alles alleine schaffen, Menschen müssen belastbar sein, Menschen müssen funktionieren wie Uhrwerke..tick-tack...wer stehen bleibt bekommt keine Chance. Das ist unsere Gesellschaft. Viele Menschen haben Angst sich hilfe zu suchen, weil sie Angst haben, dass jemand erkennt, dass man nicht das kleine Zahnrad ist, sondern das man eben nicht funktioniert. Solche Menschen sind voller Ohnmacht und Hilflosigkeit, sie können keine Hilfe annehmen, weil die Gesellschaft einem eintrichtert= Du musst es alleine schaffen.

Und anonsten stimme ich dir ja zu. Aber selbst Menschen mit schweren Schicksalschlägen können viel erreichen, oder jene Schicksalsschläge machen sie sogar stärker und/oder bringen sie dazu, sich aufzurappen.

Ja sie können es schaffen, aber viele davon haben nie eine Chance. Sie sind der Dreck der Gesellschaft. Sie bekommen nichts und geben alles, sie liegen zu Hause alleine in ihrem Bett und weinen sich in den shclaf. Ohnmacht und Depression hindern daran das Leben in die eigene Hand zu nehmen.
Einige werden sicher stärker, andere aber schaffen es nicht einmal mehr aufzustehen.

Und Frauen die verlassen wurden in der Schwangerschaft und dann keinen Weg finden... Also das finde ich dann schon etwas schade... Der Mann ist doch bitte sehr nicht für die Eigenständigkeit der Frau zuständig?!

Wenn Du mit 20 Dein erstes Kind bekommst, Dein Abi hinschmeisst, Dein Freund Dich dann sitzen lässt und Du nichts mehr hast, außer Deinem Kind und einem abgebrochenem Shculabschluss, was dann?
Du kannst sicher, wenn das Kind in den KiGa kommt den Abschluss nachmachen. Dann bist Du 23, wenn Du damit beginnst. Dann kannst Du mir 25 Deine Ausbidlung beginnen.
Wer aber nimmt Dich als alleinerziehende Mutter? Welcher Chef macht das schon? Du kannst Dich abrackern und bemühen, Du musst ein Kind versorgen, dessen Ansprüche mit den Lebensjahren steigen. Du hast irgendwann keine Wahl mehr und musst Dich in Dein Schicksal fügen. Sowas gibt es oft genug.
Sicher ist der Mann nicht für das Glück einer Frau zuständig. Aber es ist mehr als schwer aus solch einer Situation wieder rauszukommen.

mango
04.01.2008, 15:33
@ Magica, danke, du hast verstanden, was ich meine! :)

Ich halte mich jetzt mal strikt an meinen heutigen Lernplan und halte mich daher erstmal zurück ;)

Noch kurz die Frage:

Zitat sbiene82: "Ich habs nicht auf dein Studium geschoben ... Ich finde es nur sehr erstaunlich, daß man obwohl man sowas studiert nicht in der Lage ist über den Tellerrand zu schauen."

"Oh, genau deshalb liebe ich Psychologen so. Die sitzen da mit ihrer Ausbildung, ihren Büchern und reden furchtbar schlau ... über Menschen, in deren Haut sie nie gesteckt haben, deren Schicksal sie sich vielleicht vorstellen können, aber es dennoch nur aus dem Lehrbuch kennen."

Du hast es natürlich nicht aufs Studium geschoben :rolleyes:

Ich Frage mich, welchen Tellerrand du meinst. Und ich frage mich, ob du Psychologie studiert hast, und das so toll einschätzen kannst...


Mein Zitat mit dem runheulen revidiere ich hiermit. Das hatte einen sehr negativen Touch, dass ist wahr. Denn ich möchte nicht sagen, dass man dazu keine "Berechtigung" hat.

Zitat Rahijana:

"Wenn Du mit 20 Dein erstes Kind bekommst, Dein Abi hinschmeisst, Dein Freund Dich dann sitzen lässt und Du nichts mehr hast, außer Deinem Kind und einem abgebrochenem Shculabschluss, was dann?
Du kannst sicher, wenn das Kind in den KiGa kommt den Abschluss nachmachen. Dann bist Du 23, wenn Du damit beginnst. Dann kannst Du mir 25 Deine Ausbidlung beginnen.
Wer aber nimmt Dich als alleinerziehende Mutter? Welcher Chef macht das schon? Du kannst Dich abrackern und bemühen, Du musst ein Kind versorgen, dessen Ansprüche mit den Lebensjahren steigen. Du hast irgendwann keine Wahl mehr und musst Dich in Dein Schicksal fügen. Sowas gibt es oft genug."

Ich frage mich, warum die Konsequenz gleich sein soll, Schule und Co. hinzuschmeißen?!

Und Sätze wie: Welcher Chef macht das schon? Woher weißt du, dass das kein Chef macht? Der eine machts, der andere nicht. Und eben weil es der eine macht, gehts wieder aufwärts.

magica
04.01.2008, 15:44
Und Sätze wie: Welcher Chef macht das schon? Woher weißt du, dass das kein Chef macht? Der eine machts, der andere nicht. Und eben weil es der eine macht, gehts wieder aufwärts.

Eben!
Es heißt ja nicht, dass man alles nachgeschmissen bekommt.
Ich weiß, wie verdammt hart das war. Und oft habe ich abends heulend dagessen. Tagsüber musste ich die lachende Mama spielen, damit meine Tochter nichts merkt.
Am liebsten hätte ich mich aber alleine irgendwo vergraben. Aber das Kind war nun mal da, also MUSSTE ich mich zusammenreißen und irgendwie den Alltag bewältigen.

Ich habe einige Jobs bzw. Bewerbungsgespräche geführt.
Ein einzigesmal ist mir das passiert, dass einer sich über die lange Studienzeit abfällig geäußert hat und wie ich das wohl mache, wenn mein Kind krank ist.
Alle anderen haben das genaue Gegenteil gemacht: Nämlich anerkannt, dass ich trotz Kind, trotz alleinerziehend auch noch Nebenjobs hatte und mit halbwegs guten Noten mein Studium zum Abschluss gebracht habe. Obwohl das gute 10 Jahre gedauert hat.
Das war kein Manko ... das war ein Pluspunkt!

Es kommt immer auch auf den Chef und auf den Job an.
Ein guter Chef guckt nicht nur auf die fachliche Kompetenz. Denn den fachlichen Kram kann man erlernen. Aber die sogenannten Soft-Skills - die Eigenschaften, die den Menschen ausmachen, die sind in vielen Berufen mindestens genauso wichtig wie die Ausbildung selbst!

Rahijana
04.01.2008, 16:09
Ich weiss, dass man nicht gleich die schule schmeissen muss, aber es gibt viele die das machen. Leider....oder die mit 16 eine schwangerschaft dazu "nutzen" um aus den katastrophalen familiärem Verhältnissen fliehen zu können. Die sehen nicht die Zukunft in 3-5-oder 15 Jahren. Die sehen nur= Ich muss hier raus und das jetzt. Sie sitzen dann da, vollkommen überfordert und wissen nicht wie diese Welt wirklich funktioniert. Sie haben keine Ahnung woher Hilfe kommen soll und wenn sie es im erwachsenen Alter dann erkennen, haben sie meist resigniert.

Natürlich gibt es viele, die es trotzdem schaffen, ganz klar. Aber es gibt eben auch ganz viele, die es nicht schaffen.
Dann darf man nicht vergessen aus was für Elternhäusern solche Menschen ohne Chance oft kommen. Da spielen viele Faktoren eine wichtige Rolle.

Das sind dann meistens auch Menschen, die nicht mal einen Job als Putzhilfe oder bei Mc Donalds finden.

Natürlich haben alle Menschen ihr Leben in den eigenen Händen - irgendwie. Aber nicht alle bekommen die gleichen Werkzeuge an die Hand. MAnche haben ein extremes Durchhaltevermögen, andere nicht. Einige bilden sich selber fort - andere kommen gar nicht auf die Idee. Manche sind zielstrebig - andere eben nicht. Manche schaffen es sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen und manche gehen kläglich unter.

magica
04.01.2008, 16:39
Das stimmt schon.

Aber wenn da zwei Leute sind, die beide die gleich schlechten Rahmenbedingungen haben, die das gleiche erlebt haben und die beide ganz unten angekommen sind ...

Klar hat es diejenige leichter, wo z.B. die Familie dahinter steht und helfen will.
Aber angenommen, es ist wirklich alles in beiden Fällen gleich.

Der eine resigniert und geht unter. Der andere rappelt sich auf und kämpft.
Spätestens da ist es ja wieder eben die EIGENE Handlung.

Egal, wieviele dir die Hand zur Hilfe ausstrecken, du musst dann immer noch selbst die Hand ebenfalls ausstrecken. Und wenn du das dann nicht tust, dann ist es eben dann auch DEINE Schuld, dein Nicht-Schmieden oder was auch immer.

mango
04.01.2008, 16:46
Eben.

Man kann das aber auch weniger umfassend sehen. Nehmen wir also einen Menschen, der es nicht schafft sich aufzurappeln. So wird er trotzdem in seiner minder guten Lebenssituation das tun, was ihm gut tut. Er handelt in seiner mieslichen Lebenssituation trotzdem generell so, dass es ihm um 15.40 Uhr z.B. gut geht. Somit ist er "seines Glückes Schmied".

Ich kann mir andererseits auch nicht vorstellen, dass man so ganz und gar untergeht. Irgendwann schreit man nach Hilfe - irgendwie!

Rahijana
04.01.2008, 17:07
Nicht jeder ruft nach Hilfe, bzw er ruft zu spät nach Hilfe. Wie viele Frauen werden von ihren Männern verprügelt, vergewaltigt und beschimpft. Wenn sie nach 20 Jahren Ehe dann nach Hilfe schreien, haben sie viel Zeit ihres Lebens "weggeworfen", oder sie töten ihren Mann, weil sie weder ein noch aus wussten und verbringen viel Zeit im gefängnis.

Und jemand der zB Depressionen hat kann gar nicht mehr handeln, dass es ihm gut geht. er ist gefangen in einer Krankheit, unfähig sich hilfe zu holen. oder ein Borderliner, der sich gut fühlt, wenn es ihm schlecht geht. Viele Dinge machen einen Menschen Handlungsunfähig.

Und man kann so tief unten ankommen. Woher kommen die Obdachlosen? Die Kinder auf der Straße? Oder warum begeht jemand selbstmord?

magica
04.01.2008, 18:09
Also, die kranken Menschen würde ich bei so einer Diskussion gerne außen vor lassen.

Wie viele Frauen werden von ihren Männern verprügelt, vergewaltigt und beschimpft. Wenn sie nach 20 Jahren Ehe dann nach Hilfe schreien, haben sie viel Zeit ihres Lebens "weggeworfen", oder sie töten ihren Mann, weil sie weder ein noch aus wussten und verbringen viel Zeit im gefängnis
Trotzdem ist es aber ihre eigene Entscheidung?
Bringe ich ihn um, lasse ich mich scheiden. Warte ich, bis die Kinder älter sind. Und manchmal auch "ja, er schlägt mich. Aber wenn er mich nicht schlägt, ist er der beste Mann der Welt". Auch in solchen Dingen wiegen sie oft ab, was ihnen wichtiger ist. Manchmal ist es nur die Hoffnung. Ja. Aber irgendwann arrangieren sie sich damit. Oder sie gehen. Oder sie bringen ihn um.
Wer entscheidet das denn, wenn nicht die Frau?
Solche Frauen tun mir leid. Aber sie müssen da auch raus wollen, dann findet sich ein Weg.

Ich denke schon, dass es richtige Schicksalsschläge geben kann.
Aber die, die völlig unschuldig ganz unten ankommen, sind vermute ich nicht die Mehrheit.
Die Mehrheit (ich habe keine Zahlen, es ist also nur mein Eindruck) wird das durch viele falsche Entscheidungen selber verursacht haben.

sbiene802
04.01.2008, 18:27
Mango, nein ich habe es nicht auf das studium geschoben, sondern lediglich zum ausdruck bringen wollen - daß ich immer dachte, daß menschen, die psychologie studieren eine *mutter theresa* veranlagung haben.
davon soll es tatsächlich welche geben, nur leider halten die sich nicht lange in dem job. trotzdem frage ich mich, weshalb man so harte worte raushaut. selbst ich, als nicht studierter weiß, daß man nicht jeden über einen kamm schert. denn jeder mensch ist anders.
manche sind starke persönlichkeiten und andere sind sehr empfindsam und mutlos. das ist nichts, was man beeinflussen kann, sondern es ist ein teil der persönlichkeit.

ich bin in meiner jugend durch die hölle gegangen. ich hab das damals weggesteckt und einfach weitergemacht. trotzdem ich mich aus angst 2 jahre lang nicht mehr in die schule getraut hab (aufrund div. sex. übergriffe) hab ich meinen abschluss gemacht ... danach lehre, danach fachoberschule und anschliessend wollte ich an die fhs. ich war überdurchschnittlich intelligent, das lernen fiel mir leicht. während dieser zeit ist es mir leider noch 2 weitere male passiert. es gibt eben frauen, die ziehen solche typen magisch an. hilfe hatte ich keine, reden konnte ich nicht ... ich habe mich in grund und boden geschämt. ich schleppte mich so durch, ohne lust, dafür mit einem ganz großen *DU MUßT* im kopf.

die rechnung habe ich bekommen ... irgendwann ging garnichts mehr.
schwere form der emotional instabilen persönlichkeitsstörung vom borderline typ. nicht mehr therapierbar = abstellgleis = rente mit 29

ich hatte auch mal träume.

es gibt situationen im leben eines menschen, die ihn für immer zerstören. woher hätte ich mit 13 wissen sollen, daß das, was man mit mir gemacht hat irgendwann dazu führt? ich war ein kind!
ich habe auch um hilfe gerufen, nur gehört hat niemand ... denn ich war ja nur ein teenager.
ich wusste lange zeit, daß eine bombe in mir tickt. nur das die mal so hoch geht ...
was hätte ich tun sollen? hallo doc, ich glaub ich bin nicht ganz dicht?
man wird sehr lange nicht ernst genommen. erst wenn es schon zu spät ist.
leider! zu spät

Cavia aperea
04.01.2008, 19:24
Vorweg:
@ sbiene: Ich bewundere Deinen Mut, hier soviel von dir preis zu geben. Dein Post hat mich sehr bewegt.

Und- wenn jetzt irgendjemand damit anfängt, dass solche "Extremfälle" Ausnahmen sind, dann fang ich an zu schreien...
Berufen wir uns doch mal auf Statistiken.
Jährlich werden in Deutschland 10000 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern angezeigt.
Schätzungen gehen davon aus, dass die Dunkelziffer für sexuellen Missbrauch in Kindern zwischen 80000-300000 pro Jahr in Deutschland beträgt.
Und das ist "nur" die Dunkelziffer für sexuellen Missbrauch an Kindern!
Dazu kommen noch sexuelle Übergriffe an Erwachsenen und die ganze "Sparte" Gewalt in der Familie- auch wenn da oft in vielen Familien beides zusammen kommt.
Aber nicht jeder prügelnde Vater missbraucht auch sein Kind sexuell.
Dann gehts weiter mit den Kindern, die in einem Umfeld aufwachsen, in denen Drogen an der Tagesordnung stehen- nur als "kleines Beispiel" Alkohol. Nicht jeder saufende Elternteil verprügelt oder missbraucht sein Kind, richtet aber dennoch Schaden an.
Und das sind jetzt nur ein paar Faktoren, die einem das Leben zur Hölle machen können, wo man keinen Einfluss drauf hat.
Wenn man es so betrachtet, kann man den Spieß schon fast umdrehen und die "Normalen" werden zur Ausnahme...

mango
04.01.2008, 19:34
Ich empfinde dies hier jetzt als eine unsachliche Diskussion. Emotional werden bringt wohl kaum was. Mir hier so die Aussagen im Mund zu verdrehen ist schon ein starkes Stück!

Und wer reflektieren kann, was in seinem Leben passiert ist und wozu das geführt hat, ist doch wohl in der Lage daran was zu ändern. Man kann es zumindest versuchen...

Aber gut... Seid ruhig emotional, dann ziehe ich mich aus dieser Diskussion zurück.

Cavia aperea
04.01.2008, 19:36
Ähhhhh, was ist an Statistiken und Fallbeispielen emotional? :confused:

magica
04.01.2008, 19:53
Und- wenn jetzt irgendjemand damit anfängt, dass solche "Extremfälle" Ausnahmen sind, dann fang ich an zu schreien...
MOMENT MAL!

Ich habe niemals behauptet, dass sexueller Missbrauch eine Ausnahme ist!
So eine Aussage habe ich nicht gemacht und würde das auch niemals machen!

Misshandelte oder missbrauchte Kinder sind für mich nichts, wo ich über Wenig oder Viel diskutiere.
Jede einzelne Tat ist einfach zu viel!

Aber nicht jeder Penner auf der Straße wurde zum Penner, weil er als Kind missbraucht wurde.
Es gibt so viele Leute, die einfach den Arsch nicht hochkriegen. Die lieber saufen gehen als zu büffeln oder zu arbeiten.
Die es cooler finden, mit den Freunen abzuhängen.
Die es SPIESSIG finden, wenn einer versucht, sich etwas aufzubauen.

Also genießen sie ihr Leben. halligalli hier, trallafitti da.
Zahlen ja die Eltern, das Amt, die Leute auf der Straße.

Und irgendwann ist man zu alt für die Partys.
Die Freunde um einen herum haben eine spießige Familie, sind weg oder sonstwas.

Und dann steht man da - mit nichts.
Manche holen Abschlüsse oder Ausbildungen nach. Machen irgendwas, damit sie was in der Hand haben.

Aber nicht alle.
Selbst wenn der Arbeitsmarkt boomen würde. Selbst wenn es Tausende von tollen Jobs gäbe, diese Leute würden so einen Job nicht kriegen, weil sie eben unqualifiziert sind.
Und daran sind sie selber schuld!
Von DIESEN Leuten rede ich.

mango
04.01.2008, 19:55
Emotional war der Post von sbiene802 u.a.

Und ich werde hier scheinbar als das Arschloch hingestellt, was sowieso nicht für das Studium gemacht ist - weil ich ja nicht mitfühlend bin.... - und gegen ein Opfer wettert...

Also bitte, was ist daran sachlich?

Was hier beschrieben wird sind schon Folgen! Und das Leben ist auch mit 40 noch nicht vorbei, und wenn man mit 50 anfängt was zu ändern, so hat man es geändert. Die Dispositionen bestehen! Das ist die Grundaussage!

Und jetzt wurde ich emotional. Und, kannste was mit anfangen??

Rahijana
04.01.2008, 20:05
Erst einmal möchte ich mich gegen das wettern von anderen Menschen einmal aussprechen. ich wollte gegen niemanden in meinen Postings eine schlechte Stimmung machen.
Viele haben sicher ihr Leben selbst in der Hand, aber viele haben es eben auch nicht. Genau das wollte ich sagen.

Den Ausdruck "Penner" finde ich übrigens total daneben, ich würde doch auch nicht zu einem Türken sagen "Dieser Kanacke"


Sind denn Menschen nichts wert, weil sie den weg nicht gefunden haben etwas besseres aus ihrem Leben zu machen? Ich hab damals oft mal im Obdachlosenasyl geholfen, da waren sehr intelligente Menschen, die einfach keine Chance bekommen. Und irgendwann reicht die Kraft zum kämpfen vielleicht einfach nicht mehr.

Ich weiss, dass es auch die anderen Beispiele gibt. Auch meine Mama war alleinerziehend - hat es ganz gut gemeistert, bis zu einem Punkt wo sie nicht mehr konnte. Nun liegt sie schwerkrank im Pflegeheim-selber schuld? Das Jugendamt wollte damals nicht helfen, auch sonst niemand.

Lena
04.01.2008, 20:46
Sind denn Menschen nichts wert, weil sie den weg nicht gefunden haben etwas besseres aus ihrem Leben zu machen?

Dazu möchte ich auch etwas sagen. Und zwar habe ich damals das Abi geschmissen, was in meiner Familie eine grosse Schande darstellt. Meiner Oma soll ich bis heute vormachen, dass ich Abi mache, genauso wie meiner anderen Verwandschaft. Letztens habe ich die Wahrheit gesagt, und meine Oma hat mich angesehen als wolle sie mich dafür töten.

Auch so habe ich von der lieben Bekanntschaft einen schlag ins Gesicht bekommen, weil ich nicht mehr aufs Gymnasium gehe sondern eine Lehre mache...

magica
04.01.2008, 21:38
Den Ausdruck "Penner" finde ich übrigens total daneben, ich würde doch auch nicht zu einem Türken sagen "Dieser Kanacke"
Nein, wenn du einen Türken aufgrund seiner Nationalität als Kanacke bezeichnest, wäre das auch nicht in Ordnung.
Aber wenn der Türke ein Penner ist, darfst du ihn Penner nennen :D

Penner ist für mich nicht gleich Obdachloser. Ich weiß nicht, wie du solche Leute bezeichnest, gib mir einen Alternativbegriff dafür.
Es gibt durchaus Penner, die eine Wohnung haben.

Also gut, ich sage dann mal "unsere Mitmenschen, die es vorziehen, nicht arbeiten zu gehen UND nur den ganzen Tag draußen rumhängen UND sich die Hucke zusaufen UND die Leute alle anschnorren UND den Müll rumliegen lassen UND schmuddelig aussehen UND stolz darauf sind, weil sie den scheiß Staat boykottieren, indem sie nicht arbeiten, denn sie sind ja nicht blöd und vor allem nicht spießig"

Das meine ich mit Penner.

Ich hab damals oft mal im Obdachlosenasyl geholfen, da waren sehr intelligente Menschen, die einfach keine Chance bekommen
Das ist für mich nichts neues. Ich habe selbst solche Leute gekannt. Aber davon rede ich nicht.
Nur ich kann hier ja noch hundertmal betonen, welche Gruppen ich meine.
Aber jedesmal wird genau Bezug auf die Gruppe genommen, die ich NICHT meine.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die vielleicht keine Wahl hatten.
Aber nicht jeder, der einen scheiß Job macht, ist ein armes Opfer.
Manche machen den Job vielleicht sogar gerne, auch wenn das in unseren Augen der schlimmste Job ist.
Und manche müssen so einen Job machen, weil sie selbst schuld sind und ihr Leben so führen wollten, wie sie geführt haben, ohne auf ihre eigene Zukunft zu gucken.

Sind denn Menschen nichts wert, weil sie den weg nicht gefunden haben etwas besseres aus ihrem Leben zu machen?
Das habe ich nicht behauptet.
Ich stelle sie nicht als wertlos da. Ich tu nicht so, als wären sie bemitleidenswerte Geschöpfe. Mitleid oder ein Urteil kommt vielleicht, wenn ich etwas über ihr persönliches Schicksal erfahre. Aber nicht aufgrund des Jobs.
So überheblich bin ich zumindest nicht.

Ich weiß, dass der Wert eines Menschen nicht von seiner beruflichen Ausbildung abhängig ist.
Ich bin ein sogenanntes Gastarbeiter-Kind. Und ich habe studiert.
D.h. ich kenne auf der einen Seite Putzfrauen, Müllmänner, Straßenfeger, Akkordarbeiter und auf der anderen Seite etliche Akademiker.
Und auf beiden Seiten gibts miese Typen, auf beiden Seiten gibts hochintelligente Menschen und auf beiden Seiten gibts Leute, die absolut dumm sind. Das hat nichts mit einem Studium zu tun!

mango
04.01.2008, 22:21
Ziemlich genau so ist es!

Mausispatz
04.01.2008, 22:28
Hab jetzt nicht den ganzen Thread gelesen, aber zum Thema fällt mir eine Reportage ein, die ich neulich gesehen habe.
Da waren Männer, die illegal Regenwald abgeholzt haben.
Diese Männer bekommen gerade so viel Geld für die Arbeit, dass ihre Familien nicht verhungern müssen.
Die großen Absahner ziehen die Fäden im Hintergrund.
Irgendwie konnte ich die Männer verstehen... sie hatten keine Hoffnung, keine Perspektive. Vielleicht konnten sie nicht einmal verstehen, was das bedeutet, diese Bäume zu fällen.

mango
04.01.2008, 22:37
Deshalb beziehe ich meine Aussagen auf Deutschland...

sbiene802
05.01.2008, 01:55
Puh ... ich glaube wir hätten das Thema lieber bleiben lassen sollen, sowas kann nur schief gehen.

Mango - mein Beitrag war alles andere als emotional. Das war eher eine ziemlich sachliche Abhandlung der Tatsachen. Emotional wäre es geworden, hätte ich Gefühle erwähnt und gesagt, wie ich mich fühle - habe ich aber nicht.
Arschloch hast Du gesagt *mich in Unschuld wiege*
Aber Du hast mich scheinbar nicht verstanden. Ich habe gesagt, daß die mitfühlenden unter den Psychologen keine Zukunft in dem Job haben. Der Großteil dieser Leute ist ziemlich sachlich und reserviert, das hat einen Grund. Den dürftest Du sicher kennen. Also bist Du dort genau richtig.
Man kann sich in diesem Beruf nicht emotional einbringen.
Leider schaffen es die wenigsten Psychologis, wenigstens so zu tun, als hätten sie tatsächlich Mitgefühl und da liegt der springende Punkt.
Die Sache kann und muß dem Psy im Herzen ja egal sein, nur darfst er es nicht zeigen. Das schaffen nicht alle und genau zu denen will nie einer rein *lol* Aber Sachen wie - *Selber schuld:p* muß man sich klemmen.

Nachdem wir nun geklärt haben, das von Eurer Seite nicht jeder gemeint war und ich klargestellt habe, daß ich Dich nicht als Arschloch bezeichnet habe und dies auch niemals nie nich vorhatte ... sind alle wieder brav

mango
05.01.2008, 03:02
Ich bin wieder brav ;) Und hoffentlich nicht bei allen unten durch hier http://cosgan.de/images/smilie/konfus/n060.gif

magica
05.01.2008, 13:19
Sbiene
Vielleicht hast du auch eine falsche Erwartungshaltung von Psychologen?
Von wegen "Mutter Theresa"
Das ist wie bei den Ärzten. Die brechen auch nicht in Tränen aus, wenn sie dir mitteilen sollen, dass du in 3 Monaten stirbst.
Das sind einfach sachliche Dinger. Auch wenn sie Menschen betreffen.

Ob ein KFZ-Mechaniker ein Auto oder ein Psychologe eine kaputte Seele oder ein Chirurg ein fehlerhaftes Herz vor sich liegen hat ...
Das ist ein Job und diese Leuten lernen ihr Werkzeug und damit umzugehen. D.h. aber nicht, dass dann ein Psychologe immer ein herzensguter Mensch sein muss?

Klar, mehr Feingefühl und Sensibilität würde ich mir von manchen Ärzten auch wünschen. Dennoch ist das, was man dann aufschneidet eben nicht der Hans oder die Claudia sondern nur ein "Material".
Und diese Distanz ist meiner Meinung nach nicht ein Fehler oder ein Zeichen von Unmenschlichkeit, sondern eine wichtige Bedingung, um den Job gut zu machen.

Leider schaffen es die wenigsten Psychologis, wenigstens so zu tun, als hätten sie tatsächlich Mitgefühl und da liegt der springende Punkt.
Ich kann mir auch vorstellen, dass statt "so zu tun, als hätte man Mitgefühl" es sogar wichtiger ist, sogar das Mitgefühl, was man hat, zu unterdrücken.
Wenn ich mit einem Problem zu meiner Freundin gehe, dann erwarte ich Mitgefühl, Verständnis etc.
Aber wenn ich zu einem Fachmann gehe, dann möchte ich kein Mitgefühl.
Sondern Sachkenntnis. Dass er mir Methoden zeigt, meine Probleme zu erkennen und damit umzugehen.
Und wenn ich da Mitgefühl sehe, würde ich vermutlich eher die Objektivität in Frage stellen.
Außerdem möchte ich eine Arzt-Patient-Beziehung.
Und sobald mein Gegenüber Gefühle zeigt (geschockt, überrascht, betroffen) hätte ich da dann auch Hemmungen, vielleicht Dinge zu sagen, die ich sonst gesagt hätte.

Klar, ein "Selber Schuld" sollte dir der Therapeut nicht entgegnen. Aber bei Dingen, wo du selbst Schuld hast, sollte er dir das schon deutlich machen, dass es AN DIR liegt, da etwas zu ändern. Und das macht er dann mit einer anderen Formulierung als "selbst Schuld".
Nur sind wir hier nicht in einer Therapie, also kann mango so reden.
Ich kann als Anwalt über Mord verächtlich sprechen. Aber wenn ich einen Mörder verteidige, dann muss ich VOR IHM dann entsprechend sachlich/fachlich reagieren.

Und hoffentlich nicht bei allen unten durch hier
Wieso unten durch?
Außerdem: Wenn man nur deshalb nicht unten durch ist, weil man seine Meinung verschweigt, ist es doch auch ein blödes Gefühl?
So empfinde ich es zumindest.:rolleyes:

mango
05.01.2008, 13:43
:)


Im Großen und Ganzen gebe ich dir Recht, magica. Wir bekommen beigebracht, eben nicht aufgesetzt zu wirken sondern eben "kongruent" zu sein. Ich kann aber auch nur von Beratungsgesprächen reden - denn wie mal erwähnt studiere ich keine klinische Psychologie ;). Empathie ist von Vorteil, mitfühlen gilt wirklich "als Laster der Gesprächsführung" *g* man sollte das also vermeiden. Und ansonsten wird Hilfe zur Selbsthilfe geleistet.

Und du hast es erfasst, wir sind hier nicht in einer Therapie ;) und ich auch noch nicht ferddisch mitm Studieren (d.h. NOCH bin ich ich *ggg*).

Nachtrag: Jedenfalls bin ich nicht herzlos :-)

sbiene802
05.01.2008, 17:05
nun geht das schon wieder los :rolleyes:

habe ich das nicht lang und breit erklärt?

gut, dann plaudere ich mal aus dem Nähkästchen. Ich kenne wirklich unzählige Psys. Da wird depressiven Müttern an den Kopf geknallt, sie würden ihre Kinder nicht lieben. Magersüchtigen Mädchen, die darunter leiden, daß die studierende Schwester immer im Vordergrund steht ... wird gesagt: Na, die ist ja auch was besseres. Einer Ärztin, die nach 30 Jahren in ihrem Job zusammenbricht und nur noch als nervliches Wrack bezeichnet werden kann, wird gesagt ... mit ihrem mann möcht ich nicht tauschen :confused:

Sowas kann man denken, aber nicht sagen. das würde ich nichtmal nem gesunden menschen sagen, geschweige denn einem psychisch labilen.
gegen sachlichkeit hat ja niemand was ... aber gegen kommentare unter der gürtellinie ... sry, geht echt nicht. das meinte ich mit *wenigstens so tun, als hätte man mitgefühl* da soll sich keiner hinstellen und sagen *ach gott, sie tun mir aber leid* das habe ich nicht gemeint.

mein Mutter theresa satz bezog sich auch auf die zeit bevor ich selbst damit in berührung kam

mango
05.01.2008, 17:16
gut, dann plaudere ich mal aus dem Nähkästchen. Ich kenne wirklich unzählige Psys. Da wird depressiven Müttern an den Kopf geknallt, sie würden ihre Kinder nicht lieben. Magersüchtigen Mädchen, die darunter leiden, daß die studierende Schwester immer im Vordergrund steht ... wird gesagt: Na, die ist ja auch was besseres. Einer Ärztin, die nach 30 Jahren in ihrem Job zusammenbricht und nur noch als nervliches Wrack bezeichnet werden kann, wird gesagt ... mit ihrem mann möcht ich nicht tauschen :confused:


Also sowas habe ich nicht gemeint. Der depressiven Mutter könnte man sagen: Trau dir was zu! Dem magersüchtigen Mädchen klar machen, dass sie die Kraft hat, sich selbst zu helfen und der Ärztin, dass es toll wäre wenn man sich zusammen einen Weg erarbeitet aus dem "nervlichen Wrack sein" wieder herauszukommen. So meine ich das!

sbiene802
05.01.2008, 17:26
Also sowas habe ich nicht gemeint. Der depressiven Mutter könnte man sagen: Trau dir was zu! Dem magersüchtigen Mädchen klar machen, dass sie die Kraft hat, sich selbst zu helfen und der Ärztin, dass es toll wäre wenn man sich zusammen einen Weg erarbeitet aus dem "nervlichen Wrack sein" wieder herauszukommen. So meine ich das!
Ja, mir ist seit gestern schon klar, daß du das so in der Art gemeint hast. Nur habt ihr nicht verstanden, was genau ich gemeint hab.
deswegen sag ich ... aneinander vorbeigerauscht

magica
05.01.2008, 19:19
Sowas kann man denken, aber nicht sagen.

Stimmt. Aber sowas wären FÜR MICH eher die schwarzen Schafe in der Branche
Die Leute haben ihren Beruf verfehlt bzw. grunlegende Dinge NICHT kapiert :rolleyes:

samito
05.01.2008, 20:59
Ich kenne wirklich unzählige Psys. Da wird depressiven Müttern an den Kopf geknallt, sie würden ihre Kinder nicht lieben. Magersüchtigen Mädchen, die darunter leiden, daß die studierende Schwester immer im Vordergrund steht ... wird gesagt: Na, die ist ja auch was besseres. Einer Ärztin, die nach 30 Jahren in ihrem Job zusammenbricht und nur noch als nervliches Wrack bezeichnet werden kann, wird gesagt ... mit ihrem mann möcht ich nicht tauschen :confused:

Nun ja, ich kenn auch ein paar :D:rolleyes:
Allerdings würde ich die Vorkommnisse, die du beschreibst, als absolute Ausnahmen bezeichnen (hoffe jedenfalls, das sie das sind), welche wiederum in jeder Branche anzutreffen sind, das hat nichts mit Psychologen bzw in diesem Fall Psychotherapeuten zu tun.
Dazu fällt mir ein: in Wien gibts so einen Kerl, der in jeder Falter Ausgabe inseriert; man könnte bei ihm gratis Psychotherapie-Warnung bekommen. Ich hab mir seine Homepage mal angesehen, dabei dachte ich aber nicht "Oh Gott, ich muss meinem Therapeuten kündigen", sondern eher "armer Kerl...". Versteh mich nicht falsch: wenn man solche Erfahrungen machen musste, ist das absolut scheiße und die Therapeuten, die so handeln, sind zu verurteilen, aber das ist Gott sei Dank nicht die Norm.
Wenn wir grad dabei sind: Der Arzt, der bei uns in der Volksschule früher die jährlichen Untersuchungen gemacht hat, ist bei Kindern wie Lehrern oft der Grenze zur sexuellen Belästigung erschreckend nahe gekommen. Deshalb sind aber nicht alle Ärzte Schweine.

Daitscha
05.01.2008, 23:33
@sbiene802:
Ich versteh glaub ich ganz gut was du meinst, ich hab auch noch nie einen guten Psychotherapeuten getroffen.
Am schlimmsten siind die, die die ganze Zeit Richtung Uhr schauen und im Kopf ausrechnen, wann man endlich wieder geht.
Das ist echt das letzte, besonders deswegen, weil es ja wohl niemandem leicht fällt über seine Probleme zu reden:mad: